Buchbesprechung
Titel: Kreationismus in Deutschland
Eine kritische Besprechung von Karl Willnat
Herausgeber: Prof. Dr. Ulrich Kutschera
Mitautoren: Dr. Uwe Hoßfeld / Prof. Dr. Thomas Junker / Dr. rer. nat. Dipl. Biologe Andreas Beyer / Dipl.-Ing. (FH) Martin Neukamm / Prof. Dr. Reinhold Leinfelder / Prof. Axel Meyer / Dr. Martin Mahner / Prof. Dr. H.-J. Jacobsen

Kutschera, U. (Hg.) Kreationismus in Deutschland. Fakten und Analysen
Lit-Verlag Münster, 2007, Pb., 370 Seiten, 19,90 Euro.
Die Kontroverse "Schöpfung - Evolution" erzeugt auch heute noch viele Emotionen. Entsprechend werden viele Debatten darüber geführt. Die Autoren haben sich bemüht, das
Phänomen "Kreationismus in Deutschland unter Berücksichtigung der ID-Bewegung" aus verschiedenen Blickwinkeln heraus zu beleuchten und zu
analysieren. Im Vorwort des Herausgebers liest man einige Ziele dieses Buches: Es will "dunkle Hintergründe der Antievolutionsbewegung" erhellen, "Unterwanderungsstrategien" einiger Medien offen legen, Analogien zu anderen Zweigen der Naturwissenschaften aufzeigen und insbesondere die Unwissenschaftlichkeit biblisch
inspirierter (kreationistischer) "
Hybrid-Theorien".verdeutlichen. Angesichts der hochkarätigen Autoren wäre ein spannendes Buch zu erwarten, das sachlich fundiert arbeitet. Das sei aber bereits hier vorweg genommen: Dieses Buch kann für seinen sachlichen Inhalt weitestgehend auf Wissenschaftler verzichten, da es hier wenig zu bieten hat. Es reiht sich ein in jene Veröffentlichungen, die "emotional sehr engagiert" den Standpunkt der Evolution und deren Vertreter verteidigen und ist voll mit verletzender
Polemik, unsachlicher Kritik und
Diffamierungen. Es bleibt unerklärlich, welchen Stellenwert Respekt, Sachlichkeit und
diffenrenziertes Denken bei diesen Autoren haben.
Folgende Kapitel werden hier besprochen:
... zum Anfang
Absurd: Das Buch wird über die Universität Kassel beworben.
Mitteilung 28.11.2009: Die AG Evolutionsbiologie ist aufgelöst.
Autor: Prof. Dr. Ulrich Kutschera
Von Darwin zu Einstein, der Evolutions -und Photonenglaube
Das erste Kapitel des Buches beginnt mit einer Phantasiegeschichte. Die Metzgerei Peter Grosse stellt einen neuen Verkäufer ein. Dieser arbeitet fleißig mit und erwirtschaftet Umsätze. Nach Ablauf der Probezeit gesteht dieser nun fest eingestellte Mann, dass er Vegetarier ist. Nach einiger Zeit beginnt er, beim Verkaufen von Wurst -und Fleichwaren die Kundschaft von seiner Ideologie zu überzeugen. Diese Geschichte dringt auch zum Chef der Metzgerei Peter Grosse vor. Dieser ist jedoch weltoffen und vertritt die Ansicht, man "müsse an der Wursttheke auch vom
Konsens abweichende Meinungen akzeptieren - Toleranz beflügelt den Absatz". Als Kritik von außen kommt, wird der tolerante Chef aktiv und befördert den missionierenden Vegetarier zum MPG-Gruppenführer und stärkt somit dessen Position.
Mit dieser Geschichte beschreibt Prof. Kutschera einen Vorgang um den Genetiker
Dr. Wolf-Ekkehard Lönnig am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln. Die Personen der Geschichte sind Prof. Dr. Peter Gruss - Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (Metzgermeister Peter Grosse), Dr. Wolf-Ekkehard Lönnig - Genetiker und Senior Scientist am MPIZ Köln (Vegetarier), Prof. Dr. Ulrich Kutschera - Biologieprofessor aus Kassel, Präsident der AG Evolutionsbiologie im Verband VBiol (Kritiker von außen).
Prof. Kutschera bezeichnet den Vorgang um Dr. Lönnig am MPIZ als "
analoger Fall" zu seiner Phantasiegeschichte. Das ist unzutreffend. Dr. Lönnig war kein "Vegetarier" am MPIZ, sondern ein langjähriger, verdienter Mitarbeiter. Es ist nicht bekannt, dass er eine grundsätzlich andere Berufsauffassung hatte als andere Mitarbeiter des Institutes und er forschte mit den gleichen wissenschaftlichen Methoden. Er unterschied sich von anderen Kollegen durch seine Auffassung von der Entstehung des Lebens, da er die Evolutionstheorie ablehnt. Das hatte aber keine Auswirkung auf seine tägliche Arbeit, weil es hier nicht um Ursprungsfragen ging. Mit etwas Hintergrundwissen wird die Geschichte regelrecht absurd. Dr. Lönnig begann seine Tätigkeit im Jahre 1985 am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln. Bereits in seiner Probezeit hat er einen Vortrag gehalten, in dem er vom intelligenten Ursprung des Lebens gesprochen hat. Seine Auffassung wurde von seinem Arbeitgeber immer akzeptiert. 1995 wurde er Gruppenleiter und nicht, wie von Prof. Kutschera dargestellt, als Kritik von außen kam (Februar 2002).
Die Phantasiegeschichte müßte entsprechend abgeändert werden: Der neue Verkäufer verzehrte gerne Fleisch und liebte diesen Beruf. Sein besonderes Anliegen war, die Herkunft der Ware seinen Kunden offen zu legen. Sein Chef, Metzgermeister Peter Grosse, unterstützte dieses Anliegen, obwohl er andere Quellen nannte.
An dieser Stelle noch eine Bemerkung über das Buch hinaus.
Es gab keine Affäre "Max-Planck", in der Dr. Lönnig das Problem war. Bei diesem Vorgang handelte es sich um eine Tat von Prof. Kutschera. Er wollte verhindern, dass auf dem Server des Institutes evolutionskritische Veröffentlichungen erscheinen, obwohl er nichts damit zu tun hatte. Somit war es eine "Affäre Kutschera".
Dem Vorgang am MPIZ werden in diesem Buch noch mehrere Kapitel gewidmet.
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Kreationismus in Deutschland - ein kurzer Überblick
In diesem Kapitel erhält der Leser einen kurzen Überblick über Personen und Vereinigungen, die Kreationismus vertreten und die Evolutionstheorie kritisieren.
Als Personen werden erwähnt: Prof. S. Scherer, Dr. R. Junker, Prof. W. Gitt, Dr. H. Ullrich, Prof. Immig und Dr. Lönnig. Als Vereinigung werden erwähnt: Evangelikale Christen, Nachrichtenagentur
idea, Studiengemeinschaft
Wort + Wissen,
Genesisnet und die
Zeugen Jehovas.
Alles, was der Autor im Zusammenhang mit Kreationismus bringen kann, erfährt eine sehr deutliche
Diskreditierung. In diesem Abschnitt fällt eine Argumentationsweise auf, die eine sachliche Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Thema verhindert: Spekulationen und Vokabular aus Kampfschriften sozialistischer Prägung. Dazu einige Beispiele.
Spekulation:
Dr. Junker und Prof. Scherer haben das Buch "Evolution - Ein kritisches Lehrbuch" herausgebracht. Prof. Kutschera behauptet, dass es zum "Niedrigpreis" angeboten wird. Gleichzeitig schreibt er:
"Ob es Förderer aus dem Ausland gibt (z.B. US - Kreationistenvereinigungen wie das Discovery Institute) ist unbekannt."
Von dem Buch "Creatio" sagt er, dass es zum Herstellungspreis angeboten wird. Weiter heißt es:
"Wer als Sponsor hinter der Aktion steht ist unbekannt."
Es ist nicht anzunehmen, dass Prof. Kutschera die Kalkulation dieser Bücher kennt. Er spricht darüber hinaus von Förderern und Sponsoren, von denen er aber keine Kenntnis hat. Die spekulativen Formulierungen sagen zwar faktisch nichts falsches, vermittelt aber Vorstellungen, die der Wirklichkeit nicht entsprechen. Diese Argumentationsweise ist besonders verwerflich, weil dafür kein Anlaß besteht. Es wäre sachdienlicher, wenn öffentliche Aussagen erst bei konkreter Kenntnis der Sachverhalte gemacht werden.
Vokabular aus Kampfschriften sozialistischer Prägung:
-
Die Nachrichtenagentur idea ist ein "bestens organisiertes Informations -und
Propagandaintrument"
-
Das Buch "Evolution - Ein kritisches Lehrbuch" ist ein "Propaganda-Instrument Nummer eins" der "einflußreichsten bibeltreuen Anti-Evolotionisten-Vereinigung in unserem Land ..."
- Genesisnet (http://www.genesisnet.info) hat sich als "propagandistischer "Ableger" (der Studiengemeinschaft Wort und Wissen) im Internet etabliert.
Sachliche und interessante Informationen erhält der Leser in diesem Abschnitt wenig. Die Ursache dafür kann darin liegen, dass der Autor durch seine
despektierlichen Grundhaltung seine eigentlichen Anliegen nicht richtig zum Ausdruck bringen kann.
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Evo-Esoterik und das web of science
In diesem kurzen Kapitel spricht der Autor über aus seiner Sicht unqualifizierte Personen. Dr. Hans-Joachim Zillmer (geb. 1950) ist Diplom-Ingenieur und Dr. rer. pol. Er hat verschiedene Bücher herausgebracht, die sich kritisch mit der Evolutionstheorie auseinandersetzen: Die Evolutionslüge, Irrtümer der Erdgeschichte u.a.m. Diese Bücher wurden offensichtlich erfolgreich verkauft. Inhaltlich sollen sie hier nicht beleuchtet werden. Interessant ist die Reaktion von Prof. Kutschera auf Dr. Zillmer. So heißt es:
"Eigentlich sollte man jedoch "evolutionskritische" Veröffentlichungen von Personen, die wie H.-J. Zillmer & Co. keine Fachbiologen sind, ignorieren."
In der weiteren Begründung führt der Autor an, dass es von Dr. Zillmer keine peer-reviewed Fachpublikationen gibt und er ein naturwissenschaftlicher Laie ist.
Warum sollen Beiträge ignoriert werden, die nicht von Fachbiologen stammen? Dr. Zillmer ist eine Person mit einem abgeschlossenen technisch wissenschaftlichen Hochschulstudium. Auf seinem Fachgebiet verfügt er sicher über viele Kenntnisse im Bereich der Geologie. Hier will Prof. Kutschera offensichtlich die Deutungshoheit der Evolution für Fachbiologen reklamieren. Dabei übersieht er, dass sich wissenschaftliche Prinzipien in verschiedenen Fachgebieten wiederfinden. Wer in der Evolutionstheorie von Vorgängen spricht, die aus physikalischer Sicht nicht haltbar sind, kann sich nicht auf den Standpunkt stellen, dass die Aussagen eines Physikers als nicht Fachbiologe zu ignorieren sind. Naturgesetze gelten für das gesamte Leben und sind nicht auf verschiedene Fachdisziplinen aufgeteilt.
In den weiteren Ausführungen untermauert der Autor noch einmal seine Haltung, dass Evolutionskritik von unqualifizierten Personen nicht ernst zu nehmen ist. Über ausreichende Qualifikationen verfügen nach seiner Auffasung solche, die u.a. über ein Fachstudium mit Diplom (Grundwissen), eine
Promotion /
Habilitation (uabhängige Forschungstätigkeit) und
peer-reviewed Veröffentlichungen verfügen. Das ist eine unbegreifliche Überheblichkeit über Wissenschaftler aus anderen Fachgebieten. Die Evolution kann und darf nicht isoliert betrachtet werden, als ob sie nach eigenen Naturgesetzen abgelaufen ist.
In diesem Kapitel kommt nicht zum Ausdruck, wie der Autor zu Aussagen von Fachbiologen steht, die der Evolutionstheorie kritisch gegenüber stehen oder sie sogar ablehnen. In solchen Fällen zeigt sich immer wieder, dass Prof. Kutschera solche Kollegen einfach als unwissenschaftlich abqualifiziert und sie mit verletzender und
diskreditierender Polemik überschüttet. Dieses Buch ist insgesamt ein Beispiel dafür.
Offen bleibt die Frage, ob Befürworter der Evolutionstheorie über geringeres Wissen verfügen können, um in der Wissenschaft anerkannt zu werden? Der Mitautor dieses Buches Dipl.-Ing. (FH) Martin Neukamm verfügt nicht über die von Prof. Kutschera geforderten Qualifikationen, genießt aber offensichtlich im Kreis der AG Evolutionsbiologie hohe wissenschaftliche Anerkennung, der Autor
publiziert sogar mit ihm gemeinsam.
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Darwinisten und Einsteinianer
In diesem Kapitel behandelt der Autor die Bedeutung einiger Begriffe wie
Deszendenztheorie,
Darwinismus,
Evolution,
Neodarwinismus, u.v.a.m. Ab dem 19. Jahrhundert wurden demnach die Anhänger von Darwins Theorie als "Darwinisten" bezeichnet, einem Begriff, der eine Sinnverwandschaft mit Stalinisten, Kommunisten und Nationalsozialisten hat. So heißt es weiter:
"Obwohl "-ismen" in der Regel Ideologien (d.h. religiös oder politisch motivierte Weltanschauungen) sind, konnte man noch im Frühjahr 2006 in verschiedenen Abhandlungen den Begriff "Darwinistische Weltanschauung" lesen; diese soll mit dem "philosophischen Materialismus" identisch sein."
Dieses Kapitel steht in keinem Zusammenhang mit dem Titel des Buches. Der Autor erwähnt nicht, wer den Begriff "Darwinismus" geprägt hat oder welche Abhandlungen noch im Früjahr 2006 den Begriff "Darwinistische Weltanschauung" verwendet haben. Es handelt sich hier um eine thematische Vorbereitung für das Thema "Schlußfolgerungen: Wissenschaft contra Ideologie" einige Kapitel weiter.
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Das Albert Einstein-Jahr 2005
In diesem Kapitel werden kurz einige Gedanken über Albert Einstein geäußert. Der Autor zählt die wesentlichen Leistungen auf, die wir Einstein verdanken.
Dieses Kapitel steht in keinem Zusammenhang mit dem Titel des Buches, sondern dient nur zur thematischen Vorbereitung für die noch folgenden Kapitel "Der Terror der Einsteinianer", "Lichtquantenhypothese und Photonen: Alles nur Theorie?" und "Schlussfolgerungen: Naturwissenschaft contra Ideologie".
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Der Terror der Einsteinianer
In diesem Kapitel geht es wieder um Albert Einstein. Seine Theorien wurden z.T. scharf kritisiert. Man sprach vom "Terror der Einsteinianer". Eine "Anti-Einstein-Organisation" wurde gegründet. H. Israel
et al. gab eine Hetzzeitschrift gegen Einstein heraus. Aus dem Vorwort zitiert der Autor ausführlich. Dann erfährt der Leser, dass die Kampagne gegen Einstein (er war jüdischer Herkunft) politisch motiviert war. So heißt es:
"Führende National-sozialisten (NS-Ideologen) standen hinter dieser Aktion".
Zum Schluß wird ausgeführt:
"Vor der Emigration hatte man dem Juden Einstein die "deutschen Ehrenbürgerrechte" entzogen, sein Vermögen konfisziert, und eine "Prämie auf Einsteins Kopf" ausgeschrieben. Politische Ideologien ("-ismen"), wie die hier angesprochenen aus der NS-Zeit, sind in aller Regel irrationale, dogmatische Konstrukte; sie widersprechen den logischen, offenen Prinzipien der Naturwissenschaften".
Dieses Kapitel steht in keinem Zusammenhang mit dem Titel des Buches, sondern dient nur zur thematischen Vorbereitung für das noch folgende Kapitel "Schlussfolgerungen: Naturwissenschaft contra Ideologie".
Bereits hier zeichnet sich ab, dass der Autor eine Analogie zwischen Nationalsozialismus und Kreationismus herstellen wird, weil beide Begriffe die Bezeichnung "-ismus" in sich tragen.
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Lichtquantenhypothese und Photonen: Alles nur Theorie?
In diesem Kapitel beschreibt der Autor die Entstehung der
Lichtquantenhypothese durch Albert Einstein. Es wirkt isoliert und steht nicht im Kontext mit den vorherigen Abhandlungen.
Dieses Kapitel steht in keinem Zusammenhang mit dem Titel des Buches, sondern dient nur zur thematischen Vorbereitung für das noch folgende Kapitel "Schlussfolgerungen: Naturwissenschaft contra Ideologie".
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Schlußfolgerungen:Naturwissenschaft contra Ideologie
Dieses Kapitel bildet den Abschluß zu den thematischen Vorbereitungen aus den vier vorherigen Abhandlungen.
Machen wir uns auf die Suche nach den Schlußfolgerungen.
1. Fund:
"Das Motto der deutschen W+W-Kreationisten (Junker und Scherer, 1986, 2006) kann etwa wie folgt zusammengefasst werden: "Ich glaube an die Schöpfungsmythen der Bibel - also müssen die Prinzipien der naturwissenschaftlichen Arbeitsweise (Naturalismus), die Leistungen von Darwin, Wallace, Haeckel, Weismann, Dobzhansky, Mayr u.a. Biologen, das Faktum Makroevolution (graduelle Herausbildung neuer Organismen-Baupläne in datierten Fossilabfolgen) und die Geochronologie falsch sein". Sie ähneln somit einer Gruppe vegetarischer Metzger, die aufgrund fest gefügter Dogmen eine etablierte Handwerks-Disziplin zunächst umdefinieren und dann unterwandern, zersetzen und letztendlich zerstören."
Für eine derartige falsche und undifferenzierte Aussage braucht man nicht vier Kapitel über Charles Darwin und Albert Einstein zu schreiben. Suchen wir also nach einer Schlußfolgerung, die eine interessantere Erkenntnis bringt.
2. Fund:
"Biologen wurden von Schöpfungsanhängern wiederholt als "evolutionsgläubige Darwinisten" bezeichnet (so nannte mich einmal ein prominenter pro-W + W-Politiker in verschiedenen Interviews), als wäre die moderne, von Darwin initiierte Evolutionsbiologie eine Ideologie (außerwissenschaftliches, religiös-politisch motiviertes irrationales Glaubenssystem). Wohin derartige Diffamierungen etablierter Wissenschaftszweige und Theorien führen können, zeigen exemplarisch die "Hundert Autoren gegen Einstein". Diese (und andere) politisch motivierten NS-Ideologen haben nicht nur die Person Einstein, dessen postulierte Lichtquanten damals noch hypothetischer Natur waren, enorm geschadet, sondern auch die deutsche Wissenschaft als Ganzes letztendlich in den Ruin getrieben (Emigration jüdischer Naturforscher ab 1930 usw.). Der Leser möge in den im Abschnitt "Der Terror der Einsteinianer" zitierten Ausführungen von Israel et al. (1931) den Begriff "Relativitätstheorie" (RTH) durch "Evolutionstheorie" (ET) ersetzen. Parallelen zu den Argumenten der Kreationisten werden deutlich. Wie bereits dargelegt, lehnten die Anti-Einsteinisten nicht nur die RTH, sondern auch die Lichtquantenhypothese entschieden ab".
Hier sind wir fündig geworden. Der Autor stellt
Analogien zwischen der
Evolutionstheorie,
Relativitätstheorie und
Lichtquantentheorie einerseits und NS-Ideologen und Kreationisten andererseits her. Diese Gedankenführung ist unzutreffend und dient nur der Polemik. Einerseits wird suggeriert, dass die modernen Evolutionsbiologen von heute (darunter auch der Autor selber) in gleicher Weise Terroropfer von Kreationisten sind wie Albert Einstein von den NS-Ideologen, andererseits werden Kreationisten mit NS-Ideologen verglichen, obwohl die vom Autor beschriebenen Vorgänge nichts miteinander zu tun haben. Die Analogie wird durch Verfälschung einer Originalschrift hergestellt. In der Hetzschrift von H. Israel et al. (1931) wird der Begriff "Relativitätstheorie" einfach durch "Evolutionstheorie" ersetzt.
Weiter heißt es:
"Es soll hier nicht behauptet werden, die deutschen Kreationisten wären mit den NS-Ideologen Israel et al. (1931) auf eine Stufe zu stellen - ein derartiger Vergleich ist absurd."
Wenn das wirklich die Meinung des Autors ist, warum stellt er den absurden Vergleich erst auf? Immerhin hat er sich einer großen Mühe unterzogen, um die Vorgänge der damaligen Zeit zu recherchieren und die Ergebnisse in drei vorbereitenden Kapiteln niederzuschreiben. Derartige dämagogische Gedankenführung läßt jede Sachlichkeit vermissen, die für Wissenschaftler eigentlich selbstverständlich sein sollte.
Die Weiterführung des Zitates ergibt eine weitere Fundstelle:
3. Fund:
"Die W + W-"Theo-Biologen" haben allerdings über ihren Berliner Filmemacher F. Poppenberg und das ZJ-Mitglied W.-E. Lönnig die Formel "Darwinisten = Wegbereiter der NS-Ideologie" öffentlichkeitswirksam propagiert (s. Film "Hat die Bibel doch recht? Der Evolutionstheorie fehlen die Beweise, 1999; und Gott würfelt nicht, 2001). Diese Diffamierung der Evolutionsbiologie ist unakzeptabel und wurde bereits argumentativ entkräftet (s. Abschnitt "Darwin und Haeckel als Wegbereiter der NS-Ideologie?" in Kutschera 2004)."
Dieses dürfte die Hauptschlußfolgerung aus den vier vorbereitenden Kapiteln sein. Der Autor schlägt zurück. Völlig identifiziert mit der Evolutionsbiologie ist es ihm unerträglich, wenn Darwinisten als Wegbereiter der NS-Ideologie bezeichnet werden. Da ist es ihm schon logischer, Kreationisten pauschal mit NS-Ideologen zu vergleichen, obwohl er das eigentlich für absurd hält ...???
Der Autor hat das für die Wissenschaft grundlegende kausale Denken verlassen und verliert sich in einer gewissen Irrationalität. Bedauerlich für eine Person mit einer derartigen Reputation.
Im folgenden Beitrag von Dr. Uwe Hoßfeld wird einer Person eine ausführliche Würdigung eingeräumt, die den Vorwurf
"Darwinisten = Wegbereiter der NS-Ideologie" bestätigt: Ernst Haeckel (1834 - 1919). Damit wird der Beitrag von Prof. Kutschera unbegreiflich.
Und es wird regelrecht grotesk. Die AG Evolutionsbiologie, deren Vorsitzender Prof. Kutschera ist, hat zu diesem Thema einen Fachartikel von Dr. Uwe Hoßfeld veröffentlicht. Dieser fand sich unter dem (inzwischen nicht mehr verfügbaren) Link "http://www.evolutionsbiologen.de/rassebilder.pdf", im Menüpunkt Fachartikel, Erscheinung 04/2006. Diesen Artikel sollte sich jeder durchlesen und anschließend die Frage beantworten, warum Prof. Kutschera gegen den Vorwurf kämpft, dass "Darwinisten = Wegbereiter der NS-Ideologie" sind ?
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Autor: Dr. Uwe Hoßfeld
Vom Christ zum Atheist: Der Kirchenaustritt Ernst Haeckels im Jahr 1910
Der Autor ist als wissenschaftlicher Assistent am Ernst-Haeckel-Haus ein ausgewiesener Fachmann für dieses Thema. Ernst Haeckel war Zoologe in Jena. Eine kurzes Lebensbild von ihm findet sich bei
Wikipedia.
Ernst Haeckel lebte von 1834 - 1919. Sein Leben ist für den Autor ein
"... repräsentatives Beispiel für die Auseinandersetzungen zwischen darwinistischer Wissenschaft, Weltanschauung und Religion in Deutschland während der 1860er bis 1920er Jahre ..."
In kurzer Form wird sein Leben und Wirken in 5 Kapiteln behandelt. Der Zeitbogen beginnt mehr als 100 Jahre vor der Geburt Haeckels bis zu seinem Tod. Aus diesem Zeitraum werden folgende Ereignisse beleuchtet:
Haeckels Kindheit, Schul -und Studienzeit
Aus dieser Zeit liegen einige wenige Dokumente vor, die sein Verhältnis zu Kirche und Politik aufzeigen.
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Haeckels Abstammung
Seine Vorfahren gehörten ?wahrscheinlich? zu den 30.000 Emigranten, die der Erzbischof Graf Firmian wegen ihres lutherischen Glaubens im Jahre 1731 aus Salzburg vertrieben hat.
Anmerkung: Die Abstammung ist nur eine Vermutung und es wird nicht erwähnt, ob und welchen Einfluß dieses Ereignis auf das Leben Haeckels hatte.
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Haeckels Religiosität, christlicher Student und erste Zweifel
Seine Familie war christlich lutherisch geprägt. Ihnen war Glaube eine Herzenssache. Haeckel erlebte seine christliche Erziehung im schulischen Religionsunterricht und im Merseburger Domgymnasium.
Eine enge Beziehung hatte er zu seiner Mutter. Sie weckte in ihm eine mehr künstlerische Neigung.
Während seines Studiums führten weltanschauliche Probleme zu Gewissenskonflikten. Er stellte fest, dass Naturforscher und Ärzte mehrheitlich eine
"weisheitsvolle Gotteskraft" leugneten.
In den Jahren 1863 (Stettiner Vortrag) und 1866 (Generelle
Morphologie der Organismen) setzte er sich energisch für die
Deszendenztheorie ein. Haeckel begründete hier ein philosophisches System des Monismus (Lehre von der Einheit der Welt), aufgebaut auf der Forderung nach einer streng
"mechanistische-kausalen" Naturbetrachtung.
Im Jahre 1896 schloß er seine fachwissenschaftlichen Arbeiten ab. und
"... wandte er sich in erster Linie der weiteren Postulierung und Propagierung darwinistischen Gedankengutes bzw. dem speziellen Ausbau seines Monismus zu".
Weiter heißt es:
"Er sollte dann bis zu seinem Tode versuchen, mit Hilfe dieser monistischen Weltanschauung die Gültigkeit der Entwicklungstheorie für den gesamten Kosmos zu beweisen."
Im Jahre 1917 sagte er:
"Alle Substanz besitzt Leben, anorganische ebenso wie organische: Alle Dinge sind beseelt; Kristalle so gut wie Organismen."
Anmerkung: Der letzte Satz dürfte unter Naturwissenschaftlern kontrovers diskutiert werden, da er eigentlich nur unter philosophischen Gesichtspunkten zu verstehen ist.
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Haeckels Etappen in der Entwicklung zu einem Gegner der Kirche
Nach Ausführung des Autors galt in Preußen ab 1882 ein Verbot, sowohl an den Schulen jeglichen Biologieunterricht in den oberen Klassen zu erteilen sowie die Entwicklungslehre (d.h. Darwins Theorie) zum Unterrichtsgegenstand zu machen. Haeckel wandte sich 1892 gegen dieses Verbot und trat aktiv für eine Trennung von Schule und Kirche ein.
Vor der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes hielt Haeckel am 9.Oktober 1892 einen Vortrag über das Thema:
"Der Monismus als Band zwischen Religion und Wissenschaft. Glaubensbekenntnis eines Naturforschers." Mit diesem Vortrag wollte Haeckel zwei Dinge zum Ausdruck bringen:
1.)
"derjenigen Weltanschauung Ausdruck verleihen, welche uns durch die neueren Fortschritte der einheitlichen Naturerkenntnis mit logischer Notwendigkeit aufgedrungen wird."
2.)
"dadurch ein Band zwischen Religion und Wissenschaft knüpfen und damit zur Ausgleichung des Gegensatzes beitragen."
Am Ende seines Vortrages legte Haeckel vor der Festversammlung ein Glaubensbekenntnis zur "monistischen Gottesidee" ab. Bemerkenswert ist dabei folgendes Zitat:
"Das wahre, das Gute und das Schöne, das sind die drei hehren Gottheiten, vor denen wir anbetend unser Knie beugen [...] Diesem 'dreieinigen Gottes-Ideale', dieser naturwahren Trinität des Monismus, wird das herannahende zwanztigste Jahrhundert seine Altäre bauen!"
Das Glaubensbekenntnis endet mit:
"Das walte Gott, der Geist des Guten, des Schönen und der Wahrheit!"
Anmerkung: Dieses Glaubensbekenntnis bringt Spiritualität zum Ausdruck, hat sich aber vom christlichen Glauben völlig abgekoppelt.
Im Jahre 1899 erschien von Haeckel das Buch
"Die Weltenrätsel". Hier erklärt er einige von dem Berliner
Physiologen Emil DuBois-Reymond formulierten Weltenrätsel als gelöst, u.a. durch die Entwicklungslehre. Im vierten Teil des Buches wird noch einmal der
Monismus behandelt. Hier wirft Haeckel dem Christentum folgendes grundsätzlich vor:
"Natur-Verachtung", Leibes-Verachtung, Kultur-Verachtung, Familien-Verachtung und Frauen-Verachtung.
Anmerkung: Diese Vorwürfe sind in Bezug auf die Auffassung des christlichen Glaubens falsch oder überzogen. Sie bedürfen aber in Bezug auf die Praxis der christlichen Kirche eine differenzierte Betrachtung.
Bemerkenswert ist ebenso folgendes Zitat:
"Ebenso, wie seit dem 16. Jahrhundert der Papismus zahlreiche Kirchen an die Reformation abtreten musste, wird im 20. Jahrhundert ein großer Teil an die 'freien Gemeinden' des Monismus [monistische Kirchen] übergehen".
Anmerkung: Hier zeigt sich, welche großen Vorstellungen Ernst Haeckel in seinem Denken bewegte.
Das Buch wurde mit 400.000 Exemplaren erfolgreich verkauft. Sein Erscheinen löste einen Sturm der Entrüstung in kirchlichen Kreisen aus und führte zu einer Flut von
"Anti-Haeckel-Literatur".
Dem Buch
"Weltenrätsel" folgte das Werk
"Lebenswunder", ebenfalls von Haeckel. Es ist ein Ergänzungsband zu
"Weltenrätsel". Sechs Jahre nach Erscheinen dieses Werkes trat Haeckel aus der evangelischen Kirche aus.
Anmerkung: Anhand dieser wenigen Fakten ist erkennbar, dass Haeckel nicht nur über Forscherdrang verfügte, sondern auch missionarischen Eifer für seine Weltensicht hatte. Zwischen Glauben und Wissenschaft gibt es heute noch viele unlösbare Konflikte. Hier gilt es, respektvoll mit den verschiedenen Meinungen umzugehen. Selbstüberhöhung, wie auch in diesem Fall, führt nur dazu, geistige Autoritäten zu wechseln. Offen bleibt dann die Frage, ob die neuen "Herren" wirklich plausible Antworten auf die Fragen des Lebens haben und ob deren Auffassung wissenschaftlich "einwandfrei" und psychologisch ein Lebensfundament bildet. "Science in Mission" muss immer kritisch diskutiert werden, weil sie nicht eine "übergeordnete" Position in unserem Leben einnehmen kann. Darüber sollten sich alle Wissenschaftler im Klaren sein. Wie wir noch sehen werden, nimmt Haeckels Kampf gegen Glauben und Kirche groteske Züge an.
An dieser Stelle soll nicht Glauben und Kirche als etwas dargestellt werden, das keine Kritik verdient. Wichtig ist die Frage, ob Wissenschaft eine übergeordnete Stellung der "erkannten Wahrheit" für sich beanspruchen kann? Der heutige Wissensstand der Evolutionstheorie ist m.E. noch weit davon entfernt.
Von Heckel stammt die biogenetische Grundregel. Sie besagt (Wikipedia):
„Ontogenese rekapituliert Phylogenese“
Das heißt: Die Entwicklung eines Embryos im Mutterleib durchläuft die Stadien der Stammesentwicklung im Verlauf der Erdgeschichte. Anders formuliert: Ein Mutterleib hat alle Entwicklungsstufen der Evolution gespeichert und läßt ein Embryo diese Schritte wiederholen. Zur Verdeutlichung hat Haeckel eine Embryonentafel gezeichnet.
Dazu heißt es in Wikipedia:
"Die von Haeckel daraus gezogene Schlussfolgerung eines kausalen Zusammenhangs ist jedoch lange umstritten gewesen und wird von Biologen inzwischen weitgehend abgelehnt."
Die biogenetische Grundregel wurde schon immer von Wissenschaftlern kritisiert, von einigen auch als Fälschung entlarvt. Gegen diese Vorwürfe hat sich Haeckel gewehrt. Als Kritiker werden die Jesuiten hervorgehoben, außerdem wird die
"Antimonistenbewegung" durch den Jesuitenbund, Thomasbund und Keplerbund von Haeckel kritisiert.
Anmerkung: Es mag stimmen, dass die Jesuiten die biogenetische Grundregel kritisiert haben. Kritiker Haeckels kamen aber aus allen Lagern und stellten keine Abwehrfront christlicher oder kirchlicher Kreise dar. Die Hervorhebung der Jesuiten ist in seiner Einseitigkeit eine Irreführung und dient nur dem Thema dieses Buches.
Die Monistenbewegung, der Haeckel angehörte, wurde ebenfalls von den Zeitgenossen kritisiert. Das ist nicht außergewöhnlich. Einerseits stehen Bewegungen allgemein im Kreuzfeuer von Kritikern, andererseits war Haeckel ohne Zweifel wegen seiner von mehreren Wissenschaftlern erkannten Fälschung durch die Embryonentafel, seiner Selbstüberhöhung und absurden Ideen eine Reizfigur. (s. weiter unten)
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Der Höhepunkt in Haeckels Kirchenkampf
Am 20.September 1904 ließ Haeckel sich in Rom während des internationalen Freidenkerkongresses durch 2.000 Teilnehmer zum Gegenpapst ausrufen. Sein Biograph Schmidt schrieb noch dazu:
"Als Haeckel am 20. September 1905 am Denkmal Giordano Brunos in Rom einen Kranz niederlegte, da hoben römische Mütter ihre Kinder in die Höhe, damit sie ihn sehen konnten, und sagten: "Ecco il grande Tedesco!" Und Jubel ohne Ende grüßte ihn."
Sechs Jahre später trat Haeckel aus der Kirche aus.
Anmerkung: Hier zeigt sich deutlich, dass Haeckel nicht nur Forscher war, sondern auch eifernder "Scientist in Mission" mit einem Anflug von Größenwahn. Ein Protestant, der gegen Glauben kämpft und sich dennoch zum Papst ausrufen läßt. Da bleibt nur noch verständnisloses Kopfschütteln übrig.
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Haeckels Kirchenaustritt
Im Jahre 1910 trat Ernst Haeckel aus der Kirche aus. Am 25.November 1910 begründet er in einem Papier mit 20 Punkten seine Entscheidung.
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------------------------------ Soweit zum Beitrag von Dr. Uwe Hoßfeld ------------------------------
Über Ernst Haeckel gibt es noch andere Informationen. Die folgenden Angaben wurden
Wikipedia entnommen:
Weil sich Ernst Haeckel sehr
dezidiert zu
eugenischen Fragestellungen geäußert und dabei Selektionsmechanismen und Züchtungsgedanken angesprochen hat, wird er von verschiedenen Historikern als einer der wichtigsten Wegbereiter der Rassenhygiene/Eugenik in Deutschland betrachtet
Auch Wilhelm Schallmayer, ein Schüler Haeckels bescheinigte seinem ehemaligen Lehrer, wesentliche Grundgedanken der Eugenik ausgesprochen zu haben.
In Haeckels Buch „Die Lebenswunder“ (1904) heißt es etwa:
„Es kann daher auch die Tötung von neugeborenen verkrüppelten Kindern (.....) vernünftigerweise nicht unter den Begriff des Mordes fallen, wie es noch in unseren modernen Gesetzbüchern geschieht. Vielmehr müssen wir dieselbe als eine zweckmäßige, sowohl für die Beteiligten, wie für die Gesellschaft nützliche Maßregel billigen.“
Oder:
„Hunderttausende von unheilbar Kranken, namentlich Geisteskranke, Aussätzige, Krebskranke usw. werden in unseren modernen Culturstaaten künstlich am Leben erhalten, ohne irgend einen Nutzen für sie selbst oder für die Gesamtheit.“
Haeckel griff die Idee auf, die Ausschaltung der Selektion durch die Medizin würde zu
degenerativen Erscheinungen führen, und popularisierte sie in Deutschland. Dabei entwickelte er diese Überlegungen jedoch nicht, wie Francis Galton, in systematischer Weise. Vor allem vollzog er nicht, wie sein Schüler Wilhelm Schallmayer und sein Freund Alfred Ploetz, die „entscheidende Wende von der bloßen Diagnostik degenerativer Tendenzen zu einer therapeutischen Programmatik“. Haeckel blieb auf der Basis der Theorie Darwins bei der
deduktiven Feststellung degenerativer Tendenzen in den zivilisierten Gesellschaften und stellte noch keine Überlegungen über eine Gegenstrategie an. Das von Haeckel vielzitierte Beispiel von Sparta und die von ihm bewunderte spartanische Praxis der „Beseitigung anormal geborener Säuglinge“ ordnen die Historiker Peter Weingart, Jürgen Kroll und Kurt Bayertz wie folgt ein:
„Haeckels Interesse etwa war rein theoretischer Art. Er führte die spartanische Menschenzüchtung als ein Beispiel für die Wirksamkeit des Selektionsprinzips in der menschlichen Gesellschaft an. Den so naheliegenden, sich aufdrängenden Schritt von der Theorie zur Praxis ging er nicht; obwohl er auf die kontraselektorischen Wirkungen der Zivilisation verwies, kam ihm nicht die Idee, die spartanische Menschenzüchtung als ein nachahmenswertes Vorbild zu nehmen, dem es auf der Basis und mit den Mitteln der modernen Selektionstheorie nachzueifern gelte“.
Im Jahre 1900 fungierte Haeckel als Vorsitzender eines Gremiums in einem von der Familie Krupp finanzierten Wettbewerb. Dort wurden Aufsätze bewertet, in denen das Thema „Rassenhygiene“ im Hinblick auf innenpolitische und gesetzgeberische Konsequenzen abgehandelt wurde. Das Gremium behauptete, dass die Idee von der Gleichheit aller Menschen eine „Entartung“ und Degeneration der „Zivilisation“ nach sich zöge. Das Preisausschreiben gewann Wilhelm Schallmayer mit seiner Arbeit „Was lernen wir aus den Prinzipien der
Descendenztheorie in Beziehung auf die innerpolitische Entwickelung und Gesetzgebung der Staaten?“. Diese Arbeit sollte für eine Verbreitung der sozialdarwinistischen Ideen in Deutschland eine besondere Rolle spielen, weil sie in großem Maße zu einer Politisierung anthropologischer Themen beitrug.
1905 wurde Haeckel Mitglied in der von Alfred Ploetz gegründeten Gesellschaft für Rassenhygiene. Satzung und Ziel der Gesellschaft sahen die Förderung der „Theorie und Praxis der Rassenhygiene unter den weißen Völkern“ vor. Die Gesellschaft trug in Deutschland wesentlich zur Institutionalisierung der Rassenhygiene als wissenschaftliches Fach bei.
Die Nationalsozialisten beriefen sich immer wieder auf vermeintlich wissenschaftliche Grundlagen, wobei insbesondere auch der „Sozialdarwinismus“ Ernst Haeckels vereinnahmt wurde. Haeckel setzte die Kulturgeschichte mit der Naturgeschichte gleich, da beide seiner Meinung nach den gleichen Naturgesetzen gehorchten. Diese Vorstellung soll Hitler stark beeindruckt haben — so jedenfalls die These von Daniel Gasman, The Scientific Origins of National Socialism, 1971:
„Hitler's views on [...] nature, eugenics [...] and evolution [...] coincide for the most part with those of Haeckel and are more than occasionally expressed in very much the same language“.
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Unter dem Punkt
Kritik gibt es dort noch weiteres zu lesen.
--------------- Ende der Wiedergabe aus Wikipedia. ---------------
Schlußbetrachtungen
Warum Dr. Hoßfeld sich ausgerechnet eine Person wie Ernst Haeckel als ein
"repräsentatives Beispiel für die Auseinandersetzungen zwischen darwinistischer Wissenschaft, Weltanschauung und Religion in Deutschland" aussucht, ist schwer verständlich. Kennt er als wissenschaftlicher Assistent am Ernst-Haeckel-Haus nur den Wissenschaftler Haeckel oder auch die Gesamtperson?
Im Rahmen einer wissenschaftlichen Betrachtung ist das Beispiel Haeckel nichts besonderes. Es gibt viele Wissenschaftler, die sich im Spannungsfeld zwischen Glauben und Wissenschaft vom Glauben abgewendet haben. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall, dass Wissenschaftler durch ihre Forschungsarbeit zu Gegner der Evolotionstheorie, gläubige Christen oder in ihrem bereits vorhandenen Glauben bestärkt wurden. Die Biografie dieser Personen ist gleichermaßen zu würdigen. Ich sehe darum im Lebensbild Haeckels keinen stringenten Zusammenhang mit dem Thema dieses Buches.
Noch unverständlicher sind die Ausführungen von Prof. Kutschera, wenn er einerseits gegen den Vorwurf kämpft, dass
"Darwinisten = Wegbereiter der NS-Ideologie" sind, andererseits einer Person, die diesen Vorwurf bestätigt, im gleichen Buch eine ausführliche Würdigung einräumt.
Und es wird regelrecht grotesk. Die AG Evolutionsbiologie, deren Vorsitzender Prof. Kutschera ist, hat zu diesem Thema einen Fachartikel von Dr. Uwe Hoßfeld veröffentlicht. Dieser findet sich unter
http://www.evolutionsbiologen.de/rassebilder.pdf, im Menüpunkt Fachartikel, Erscheinung 04/2006. Diesen Artikel sollte sich jeder durchlesen und anschließend die Frage beantworten, warum Ernst Haeckel in diesem Buch als
"... repräsentatives Beispiel für die Auseinandersetzungen zwischen darwinistischer Wissenschaft, Weltanschauung und Religion in Deutschland während der 1860er bis 1920er Jahre ..." aufgeführt wird und Prof. Kutschera gegen den Vorwurf kämpft, dass
"Darwinisten = Wegbereiter der NS-Ideologie" sind ?
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Autor: Prof. Dr. Thomas Junker
Schöpfung gegen Evolution - und kein Ende?
Dieses Thema wird in folgenden Unterkapiteln bahandelt:
- Kardinal Schönborns Intelligent-Design-Kampagne
- Der Beitrag 'Finding Design in Nature'
- Von Geistern und Göttern zur Wissenschaft
- Die Botschaft des Papstes und einige Reaktionen
- Vom Vatikanum | zu Schönborn
- Katholizismus und Evolution
- Ein Zwischenspiel: Evolutionismus und Christentum (1986)
- Das 'philosophicum': Die Planung
- Wissenschaftliche Diskussionen und öffentliche Wahrnehmung
- Die weiteren Teilnehmer der Schönborn-Diskussion
- Schönborns intelligente Pläne" und "Fazit und Reaktionen
Durch alle Kapitel zieht sich ein Hauptthema: Der Wiener Kardinal Schönborn. Dieser hat sich eindeutig gegen die Evolutionstheorie ausgesprochen. Für den Autor ist es eine Enttäuschung, weil die katholische Kirche in der Vergangenheit Erklärungen abgegeben hat, die eine Annäherung an die Evolutionstheorie erkennen ließen. So sagte Papst Johannes Paul II 1996, dass die Evolutionstheorie "mehr sei als nur eine Hypothese". Prof. Junker schreibt über seine Abneigung gegenüber den Ansichten des Kardinals. Leider kann er auf einen etwas bösartigen Vergleich nicht verzichten. Ratzinger war vor seiner Wahl zum Papst Präfekt der Glaubenskongregation des Heiligen Stuhls, d.h.
der Nachfolgeorganisation der römischen Inquisition (Spaemann et. al. 1986: VIII)." Es ist unerklärlich, was dieser Vergleich im Kontext dieses Buches aussagen soll? Faktisch mag die Aussage stimmen, sie dürfte aber heute nur für die geschichtliche Bewertung von Interesse sein. An dieser Stelle soll nicht der Kirche das Wort geredet werden, die Verbrechen der Inquisition sind bekannt. Es ist aber völlig unangemessen, heute lebende Personen mit Vorgängen in Verbindung zu bringen, die Jahrhunderte zurück liegen. Ratzinger in seinen Funktionen als Kardinal und heutiger Papst trägt keine Verantwortung für die Inquisition längst vergangener Zeiten. Dieser Vergleich dient nur polemischen Zwecken und ist kein Merkmal sachlicher Betrachtungen. Die heutige Kirche ist mit dem Mittelalter nicht mehr vergleichbar.
Ein weiteres Thema ist das "philosophicum", eine Sendung des ORF vom 17.1.2006. Das "philosophicum" wurde von der Religionsredaktion des ORF ausgerichtet. Das Thema lautete: "Der Streit um die Evolutionstheorie". Als Diskussionsteilnehmer wurde zunächst Prof. Kutschera eingeladen. Dieser hat abgesagt, weil es für ihn keinen Anlaß gibt, über Evolution kontrovers zu diskutieren. Ersatzweise ist Prof. Junker eingesprungen. Dieser Abschnitt wird m.E. etwas breit ausgetreten, er bietet wenig informatives und endet mit der Darlegung, wie gut sich Prof. Junker in der Diskussion behaupten konnte.
Ein wissenschaftlicher Gedanke dieses Kapitels soll noch näher beleuchtet werden. Prof. Junker schreibt:
"Spaemann nutzte also seinen ganzen Scharfsinn, um angebliche Schwachstellen der evolutionistischen Evolutionstheorie, vor allem der Selektionstheorie, in großer Ausführlichkeit zu erläutern. Zwei Beispiele aus der Diskussion mögen genügen, um zu dokumentieren, auf welchem Niveau sich seine 'philosophische' Kritik bewegte. Wenn man, so argumentierte er, "einen Riesensack voll Buchstaben auf die Erde" schütte, so sei es extrem unwahrscheinlich, dass dann dort ein Gedicht von Hölderlin liege. Damit wollte er beweisen, dass 'Lebewesen nicht aus zufälligen Mutationen' entstehen können. Dieses 'Argument' wird seit dem 19. Jahrhundert von religiösen Evolutionsgegnern bis hin zu den heutigen Kreationisten mit geringen Abwandlungen immer wieder aufgewärmt, obwohl - man müsste vielleicht eher sagen: weil - es auf einem (absichtlichen) Missverstehen der Darwinschen Theorie beruht (Kutschera 2006 a). Darwin und seine Anhänger haben nie behauptet, dass zufällige Mutationen alleine ausreichen, um die Entstehung und Anpassung der Organismen zu erklären, sondern dazu bedarf es zudem der natürlichen Auslese. Ihre Wirkung beruht darauf, dass in jeder Generation abhängig von der konkreten Umwelt die am besten geeigneten Varianten im Durchschnitt häufiger überleben und sich fortpflanzen, was zu einer allmählichen Veränderung führt. Übrigens wird in analoger Weise aus einem Sack mit Buchstaben eben doch ein Hölderlin-Gedicht, wenn man - wie beim Scrabble - die Buchstaben zunächst blind zieht, dann aber die jeweils passenden auswählt.
Dazu ist folgendes kritisch anzumerken:
1. Eine natürliche Auslese ist ein Entscheidungsprozess. Die Auslese muss wissen, wie die Umweltbedingungen sind und was eine geeignete Variante ist. Ein anschauliches Beispiel liefert die Industrie. In einem Fertigungsunternehmen gehen die produzierten Teile durch eine Kontrolle. Alle nicht geeigneten werden aussortiert. Dazu muss der Kontrolleur wissen, nach welchen Kriterien zu selektieren ist. Hätte er diese Kenntnis nicht und würde wahllos irgendwelche Teile aussortieren, so wären die Folgen unübersehbar. Wo oder in welcher Form steht der natürlichen Auslese dieses Wissen zur Verfügung und wer entscheidet über die Auswahl? Eine intelligente Auslese (Lenkung) wird im Evolutionsprozeß kategorisch verneint. Ein Änderungsprozeß ohne Wissen und intelligente Lenkung erzeugt i.d.R. Chaos und nicht Ordnung. Insofern ist das Beispiel von Prof. Junker ein Widerspruch.
2. Aus einem Sack mit Buchstaben wird angeblich doch ein Hölderlin-Gedicht ... wenn man blind zieht und anschließend passende Buchstaben auswählt. Das blinde herausziehen von Buchstaben paßt in den Kontext der Evolutionstheorie, die anschließende Auswahl aber nicht mehr. Hier entscheidet ja ein intelligentes Wesen, welcher Buchstabe geeignet ist. Dazu muss das Wesen das gewünschte Gedicht kennen und über Wissen in Rechtschreibung verfügen. Das ist eine zielorientierte Vorgehensweise, die jedoch in der Evolutionstheorie kategorisch ausgeklammert wird.
Wir sehen, dass Prof. Junker in der Beschreibung eines zufälligen Vorganges nicht ohne die Anwesenheit einer übergeordneten Intelligenz auskommt.
Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass der Autor die Aussage von Spaemann umgedeutet hat. Es ging um den Hinweis, dass aus einer großen Menge von Buchstaben nicht einfach per Zufall ein sinnvolles Gedicht entstehen kann, wie es in Anlehnung an die Evolutionstheorie aber sein müßte. Wenn Prof. Junker dieses Beispiel dadurch entkräften will, an einem Tisch das Gedicht persönlich zusammenzusetzen, so entkräftet er eine nicht gestellte Behauptung und praktiziert selber ID (Intelligent Design).
In einem späteren Kapitel wird ein vergleichbares Beispiel von
Korthof behandelt.
Die Ausführungen des Autoren sind nicht durchgehend stringent.
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Autor: Dr. Andreas Beyer
Was ist Wahrheit?
Die Frage nach der Wahrheit hat die Menschen zu allen Zeiten beschäftigt, eine allgemeingültige Definition konnte aber bisher niemand geben. Im Kontext mit Evolutionskritik versucht der Autor auf diese schwierige Frage eine Antwort zu finden.
Die Suche erfolgt in 16 Kapiteln und schließt mit einer Danksagung ab.
.. wie Kreationisten Fakten wahrnehmen und wiedergeben
Der Autor beginnt seine Betrachtungen mit der Frage von Pontius Pilatus: "Was ist Wahrheit?" und einer Aussage von Jesus: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich!". Diese Sätze werden dem persönlichen Erleben zugeordnet. Weiter heißt es:
"In diesem Kapitel werden nicht "persönliche Wahrheiten" thematisiert, sondern historische Begebenheiten und aktuell-empirisch erfassbare Prozesse, es geht also um die Realität vergangener Ereignisse sowie die Gültigkeit von Gesetzesaussagen [...] Wir wollen hier die Frage stellen, inwieweit kreationistische Ideen mit dem, was in der Wissenschaft und der Wissenschaftsgeschichte als wahr und real gilt, verträglich sind."
Weiter:
... damit ist letztlich nichts anderes angedeutet, als dass Kreationisten eine Diskussionskultur pflegen, die zum allgemein üblichen, wissenschaftlichen Diskurs nicht passt."
Mit seinen einleitenden Worten zeigt Dr. Beyer, vor welchem Hintergrund er seine Gedanken entfaltet. Er ist in einem Denkschema verhaftet, das von Evolutionsbiologen bekannt ist: Kreationisten sind unwissenschaftlich und sollten sich aus entsprechenden Diskussionen heraushalten. Der Autor sieht sich offensichtlich im Licht der Wahrheit. Darüber hinaus bezieht sich die Meinung über Kreationisten auf alle, die Evolution kritisieren. Kritischen Wissenschaftlern wie Prof. Scherer (Mikrobiologe), Dr. Lönnig (Genetiker) und vielen anderen mehr ist aber mit einem derartigen Denkschema nicht der Mund zu verbieten. Es ist gut, dass sie ihre kritische Auffassung zur Evolutionstheorie äußern.
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Diskussionstechniken prominenter US-Kreationisten
In diesem Kapitel werden 3 Diskussionstechniken beschrieben, die von "prominenten US-Kreationisten" angewendet werden.
1. Der Gish-Galopp.
Diese Technik wurde nach dem amerikanischen Biochemiker Duane Tolbert Gish benannt. Gish lehnte die Evolutionstheorie ab. Der Autor kritisiert ihn aus folgenden Gründen:
- Gish überzieht seinen Gesprächspartner mit einer Flut von unbewiesenen oder schlichtweg falschen Behauptungen, um ihn ständig unter Erklärungszwang zu halten.
- Wenn Gish falsche Behauptungen nachgewiesen werden, so stellt er diese "ungerührt" in der nächsten Diskussion wieder auf.
Im Internet findet man unter
Wikipedia einen Bericht über die Diskussionsmethoden dieses Wissenschaftlers. Ob der Autor und Wikipedia mit ihrer Wertung der Person Gish gerecht werden, will ich an dieser Stelle nicht weiter überprüfen. Wichtig ist die Feststellung, dass jeder Mensch das Recht auf einen eigenen Diskussionsstil hat. Wenn eine Person in seinen Gesprächen unangenehm ist, brauche ich mit ihr nicht zu reden. Dabei will ich nicht übersehen, dass sich jeder um offene und ehrliche Diskussionen bemühen sollte. An diesem Punkt setzt meine Kritik über den Autor an. Er selber, wie auch die anderen Mitautoren, werden den Erwartungen einer offenen und sachlichen Diskussion nicht gerecht. Das hier besprochene Buch "Kreationismus in Deutschland" ist ein Beispiel schlechter Publikation, voll mit Polemik, verletzender Kritik und insgesamt für Wissenschaftler unwürdig. Dieser Diskussionsstil ist sehr gewöhnungsbedürftig und erfordert ein hohes Maß an Toleranz auf der Seite der Evolutionskritiker.
2. Quote Mining
"Quote mining" bedeutet,
dass große Mengen wissenschaftlicher und anderer Literatur durchsucht werden, um daraus Zitate zu extrahieren, mit denen dann Unzuläglichkeiten in der Evolutionstheorie aufgezeigt werden sollen.
Diesen kritischen Punkt bezieht der Autor nicht nur auf US-Kreationisten, sondern auf "Kreationisten und Intelligent Design (ID)-Vertretern" allgemein. "Quote mining" kann zu einem ernsthaten Problem führen. Auch diese Webseite (http://www.evokrit.de) steht in der Gefahr, durch diese Methode Gesamtaussagen zu verfälschen. Der Betreiber bemüht sich darum, Zitate in ihrem Zusammenhang darzustellen. Die Behandlung von Zitaten, auch zum Zweck von kritischen Betrachtungen, ist aber nicht grundsätzlich falsch, wenn man verantwortungsvoll und abwägend damit umgeht. Sieht man sich die Webseite von Herrn
Martin Neukamm an, so findet man auch dort eine Seite mit Zitaten. Die Kritik des Autors kann sich damit nur auf den Mißbrauch beziehen. Zu erwarten wäre, dass sich Dr. Beyer (und auch alle Mitglieder der AG Evolutionsbiologie) um Vermeidung von "quote mining" bemühen. Sieht man sich aber die kritischen Gegendarstellungen der Studiengemeinschaft Wort und Wissen an, so zeigt sich, dass den Autoren in eigener Sache "quote mining" von untergeordneter Bedeutung ist. Insbesondere fällt es auf, wenn das Buch "Evolution - Ein kritisches Lehrbuch" durch die AG Evolutionsbiologie polemisch abqualifiziert wird.
3. Cherry Picking
"Cherry picking" bedeutet: "Die Rosinen aus dem Kuchen picken".
Diesen kritischen Punkt bezieht der Autor nicht nur auf US-Kreationisten, sondern auf "Kreationisten und Intelligent Design (ID)-Vertretern" allgemein. Dazu Dr. Beyer:
"Hier werden aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen nur diejenigen Sachverhalte ausgewählt, die sich - wenigstens halbwegs - in ein kreationistisches Gedankengebäude einbauen lassen, während alle anderen, gegen Schöpfung sprechenden Fakten einfach unterschlagen werden."
Hier gilt das gleiche wie bei "quote mining": Es muss verantwortungsvoll und sorgsam abgewägt werden. Eine pauschale Verurteilung ist nicht sachgerecht. Wenn der Autor von "Rosinen" spricht, sagt er damit, dass es sich um ernste Erklärungslücken in der Evolutionstheorie handelt. Solche "Rosinen" dürfen und müssen diskutiert werden. Die Dringlichkeit ergibt sich daraus, dass die Evolutionstheorie trotz Erklärungslücken als bewiesene Tatsache dargestellt wird. Wenn es nun "Rosinen" gibt, die dieser Behauptung widersprechen, so sind sie ernst zu nehmen und nicht einfach pauschal mit der Bezeichnung "cherry picking" vom Tisch zu wischen.
Für mich entsteht der Eindruck, als ob der Autor mit "cherry picking" auch ernsthafte Argumente gegen die Evolutionstheorie vom Tisch fegt.
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Anti-Evolutionismus in Deutschland
Der Begriff "Anti-Evolutionismus" ist ein Kunstwort und mutet eigenartig an. Dahinter steht eine Haltung, wie sie aus dem Sozialismus östlicher Prägung bekannt ist. In der DDR wurden "Anti-Sozialisten" unterdrückt und sogar bestraft. Die Ursache dafür lag darin, dass eine Partei vom Wahrheitsgehalt Ihrer Auffassung völlig überzeugt war. Die Gesellschaft musste vor "verderblichen Irrtümern" gechützt werden. Zur Durchsetzung der Auffassung schreckte man auch vor Reinigungsprozessen nicht zurück. Der Begriff "Anti-Evolutionismus" zeigt eine tiefe Überzeugung mit ideologischen Denkstrukturen. Der Herausgeber dieses Buches hat bereits einen Reinigungsprozess zum "Erhalt einer reinen Wissenschaftslehre" durchgeführt. Damit ist die Aktion von Prof. Kutschera als
WdrL gegen
Dr. Lönnig am MPI Köln angesprochen. Das Buch "Kreationismus in Deutschland" ist insgesamt ein Ausdruck für den Kampf gegen "Anti-Evolutionismus".
Der Autor behandelt in diesem Kapitel den Kreationismus in Deutschland. Beispielhaft spricht er über die beiden wichtigen Vertreter und beschreibt ihre Aktivitäten und Auffassungen: Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen und den Genetiker Dr. Lönnig. Insgesamt sind die Ausführungen des Autors nicht überzeugend, weil die Erwartungen an eine sachliche Auseinandersetzung nicht erfüllt werden.
Weiter heißt es:
"Eine nähere Betrachtung zeigt darüber hinaus, dass es auch mit Fairness und Wissenschaftlichkeit nicht weit her ist. So lassen sich im besagten, kreationistischen "Lehrbuch" sowie in anderen Schriften von "Wort und Wissen" erhebliche inhaltliche Verzerrungen bei Zitaten aufzeigen ... [...] ... es wird dabei auch der Frage nachgegangen, ob derlei Fehlgriffe auf Unachtsamkeit zurückzuführen sind oder auf Absicht."
Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen ist für eine ausgewogene und ehrliche Meinungsäußerung bekannt. Es ist absurd, ihr direkt oder unterschwellig absichtliche Fehldarstellungen zu unterstellen.
Zu den angeblichen Verzerrungen bei Zitaten hat Wort und Wissen bereits eine
Gegendarstellung abgegeben, die vom Autor aber nicht erwähnt wird. An dieser Stelle sei Dr. Beyer an seine eigenen Ausführungen über den
Gish-Galopp erinnert, den er offensichtlich trotz Ablehnung selber anwendet.
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Das biblische Erdalter
Dieses Kapitel behandelt einige Fragen, die für Kreationisten ein erhebliches Problem darstellen:
-
Wir kennen Sterne, die milliarden von Lichtjahren von uns entfernt sind. Wäre die Erde nur ca. 10.000 Jahre alt, wären solche Entfernungen nicht möglich.
-
Die höchsten Berge der Welt sind ca. 8.000 m hoch. Bei einem Erdalter von 10.000 Jahren müßten diese jährlich um ca. 1 m gehoben worden sein. Solche Vorgänge sind sehr unwahrscheinlich.
-
Wir kennen kilometerdicke Sedimentschichten. Beim biblischen Erdalter müßten sich diese in kürzester Zeit gebildet haben.
Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen kennt das wissenschaftliche Problem mit dem biblischen Erdalter und spricht es deutlich aus. In dem Buch "Evolution - Ein kritisches Lehrbuch" findet sich folgende Erklärung:
[...] es soll jedoch kein Zweifel daran gelassen werden, dass eine insgesamt befriedigende, naturwissenschaftliche Lösung des Altersproblems für Kurzzeit-Schöpfungslehren derzeit nicht vorliegt.
Das ist eine klare Aussage und zeigt, dass man sich hier nicht um Zwangserklärungen bemüht. Die Frage der Sedimentierung wird hingegen wissenschaftlich anders erklärt.
Insgesamt ergibt sich zu diesen Themen ein interessantes Diskussionsfeld für Wissenschaftler mit den verschiedensten Überzeugungen. Die abfälligen Bemerkungen des Autors gegenüber der Studiengemeinschaft verhindern jedoch eine fruchtbare Diskussion und vergiften das Klima in Wissenschaftskreisen.
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Gene mit überlappenden Leserastern - ein Design-Signal?
Unter Design-Signal verstehen Wissenschaftler, die Intelligent Design (ID) vertreten, eine Vorgang mit einer Komplexität, die eine zufällige Entstehung undenkbar macht. Die logische Folge daraus ist, dass ein Designer (Schöpfer) diesen Vorgang erschaffen hat. Im Bereich der DNA (Gene) finden sich Beispiele, die als Design-Signal gewertet werden.
Was ist ein überlappendes Leseraster? Unsere DNS (DNA) besteht aus einer Aneinanderreihung von Nukleobasen. Drei aufeinanderfolgende bilden ein Triplett (Codon). Dieses entspricht in seiner Bedeutung einer bestimmten Aminosäure und könnte in einer menschlichen Sprache mit einem Buchstaben verglichen werden. So wie verschiedene Buchstaben Worte und Sätze ergeben, fügen sich mehrere Tripletts zu einem Gen zusammen, welche Proteine kodieren. Anders ausgedrückt: Gene sind Programmabschnitte. Für den Programmablauf ist es wichtig, dass die Tripletts in der richtigen Reihenfolge abgelesen werden, je einem Triplett (3 Nukleobasen). Das wird als Leseraster bezeichnet.
Ausschnitt aus einem codierenden DNS-Strang (aus Evolution - ein kritisches Lehrbuch):
AGTTTTAGGGGG .....
Im Leseraster von links nach rechts ergeben sich folgende Informationen: AGT = Aminosäure Servin (Ser), TTT = Aminosäure Phenylalanin (Phe), AGG = Aminosäure Arginin (Arg), GGG = Aminosäure Glycin (Gly). Diese Aminosäurenkombination bildet eine Information. Mit ihr werden Proteine kodiert.
Was passiert aber, wenn das Leseraster um eine Stelle nach rechts verschoben wir? Das Ergebnis wäre:
A -> GTTTTAGGGGG .....
Das ergibt aber eine andere Aminosäurenkombination und damit eine andere Kodierung der Proteine.
Das Problem soll an der menschlichen Sprache verdeutlicht werden. Nehmen wir die Aussage: "EVO LUT ION IST EIN EBE WIE SEN ETA TSA CHE". Verschieben wir das Leseraster um eine Stelle und lesen diesen Satz ab dem 2. Buchstaben, so ergibt sich: "VOL UTI ONI STE INE BEW IES ENE TAT SAC HE". Der Sinn der Aussage ging verloren.
Untersuchungen haben ergeben, dass es verschobene (überlappende) Leseraster gibt und sich diese an verschiedenen Prozessen beteiligen. Der Mensch hat 22.291 Gene, davon sind 1.766 als Überlappungen bekannt. Im Vergleich dazu müßte man einen Text schreiben können, der bei verschobener Lesung dennoch einen Sinn ergibt.
Nun zur Auseinandersetzungt, die der Autor insbesondere mit Prof. Scherer und Dr. Junker führt. Dazu muss erwähnt werden, dass sowohl der Autor als auch Prof. Scherer Fachleute auf diesem Gebiet sind. Prof. Scherer / Dr. Junker werten verschobene Leseraster als ein hochkomplexes System und sehen darin ein Desing-Signal. Die Vorstellung einer zufälligen Entstehung ist ihnen unmöglich. Der Autor hält dagegen und versucht zu erklären, dass verschobenen Leseraster durchaus in das Konzept der Evolution passen und kein Design-Signal sind. Seine Ausführungen leitet er mit folgenden Worten ein:
"Nun, einerseits haben Gene eine komplexe Evolutionsgeschichte hinter sich."
Hier setze ich die erste Kritik an. Diese Einleitung führt unweigerlich zu einem Zirkelschluß. Wenn ich Evolution zur Vorgabe mache, kann im Ergebnis nichts anderes als Evolution herauskommen.
Weiter heißt es:
"Andererseits gibt es jedoch keinen genetischen oder evolutiven Mechanisnus, der den umgekehrten Vorgang bewirken könnte. Mit anderen Worten: verschiedene, unabhängig entstandene Gene können nicht im Nachhinein in zwei Leseraster eines einzigen Gens in -und übereinander kopiert werden. Daher wird man von der Evolutionstheorie ausgehen unter normalen Umständen kaum erwarten, solche doppelt genutzten Gene in realen Lebewesen zu finden"
Der Autor spricht von "genetischen oder evolutiven Mechanismen". Ein Mechanismus ist deterministisch und widerspricht der Evolutionstheorie, die ja alles auf Zufall aufbaut. Hier bedient sich der Autor Begriffe, die in die Erklärungen des Intelligent Design (ID) gehören. Weiterhin schreibt er, dass im Nachhinein unabhängig entstandene Gene nicht in -und übereinander kopiert werden können. In den weiteren Ausführungen werden dann Mutation und Zufall bemüht, um dennoch eine plausible Erklärung zu entwickeln, die überlappende Leseraster als etwas nicht ungewöhnliches darstellt. Interessanterweise kommt der Autor zu dem Schluß, dass sich verschobene Leseraster nur bei einfachen biochemischen Aufgaben zufällig entwickeln können, er spricht dabei von Viren. Wie der Prozeß beim Menschen aussieht, der über 1.766 Überlappungen verfügt, wird nicht beschrieben.
Die Ausführungen des Autors sind m.E. nicht stringent. Abschließend erfolgt die schon fast obligatorische Abqualifizierung von Dr. Junker / Prof. Scherer.
Bemerkung: Für mich entsteht der Eindruck, als ob der Begriff "Design-Signal" für den Autor ein Reizwort ist, weil dadurch auf einen Schöpfer geschlossen wird. Es könnte hilfreich sein, wenn er für Design-Signal ersatzweise "Evolutiv nicht möglich" einsetzt und sich einmal überlegt, ob ein komplexes Informationssystem mit verschobenen Leserastern wirklich das Ergebnis eines zufälligen Prozesses sein kann, unabhängig von der Frage nach einem Schöpfer?
Bei zufälligen Prozessen wird etwas wesentliches außer Acht gelassen. Wenn z.B. durch Mutation, Selektion und Zufall höhere Lebensformen entstehen können, so geht man von dem unwahrscheinlichsten Fall aus, der zu einer erfolgreichen Mutation führen kann. Wenn aber der Zufall am Werk ist, so muß bedacht werden, dass sich auch schädliche Mutationen einstellen und der Lebensform schaden oder sie zum Absterben bringen. Im letzteren Fall kann der Enwicklungsprozeß eines großen Zeitraumes verloren gehen und der evolutive Vorgang muß wieder vorne beginnen.
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Irrtum oder Absicht?
In diesem Kapitel wirft der Autor die Frage auf, ob Prof. Scherer / Dr. Junker Irrtümern unterliegen oder absichtlich falsche Darstellungen verbreiten? Die Ausführung entspricht dem unsachlichen Grundtenor des Buches. Prof. Scherer / Dr. Junker wird an mehreren Stellen vorgeworfen, dass sie ihren Lesern etwas verschweigen, unterschlagen oder vorenthalten. Ein Beispiel:
"Junker und Scherer (2006) unterschlagen, dass ungezählte Phänomene der Genomstrukturen von Mensch, Tier, Pflanze und Bakterium im Licht der Evolutionstheorie vollkommen befriedigend erklärt und verstanden sind."
Warum spricht der Autor von Unterschlagung, weiß er doch, dass es für Prof. Scherer und Dr. Junker
keine schlüssige Erklärung ist, Phänomene der Genomstrukturen im Lichte der Evolutionstheorie zu verstehen? Es ist keine Unterschlagung, wenn man nicht über Dinge spricht, die außerhalb der eigenen Überzeugung liegen. Der Vorwurf des Autors ist absurd.
Das Kapitel endet mit einem Abschnitt, den man nur als entgleisende Polemik bezeichnen kann. Darum wird an dieser Stelle nicht weiter darauf eingegangen.
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Anti-Evolutionismus am Kölner Max-Planck-Institut
In diesem Kapitel wiederholt der Autor den Vorgang um den Genetiker
Dr. Wolf-Ekkehard Lönnig am MPI Köln. (s. auch Prof. Kutschera)
Wie wir noch sehen werden, behandelt auch Dipl.-Ing. (FH) Martin Neukamm dieses Thema. Es ist auffällig, dass der Fall Dr. Lönnig innerhalb eines Buches mehrfach beleuchtet wird.
Ohne näher auf das Kapitel einzugehen wiederhole ich meine Aussage, die ich bereits weiter oben getroffen habe: Es gab keine Affäre "Max-Planck", in der Dr. Lönnig das Problem war. Bei diesem Vorgang handelte es sich um eine Tat von Prof. Kutschera. Er wollte verhindern, dass auf dem Server des Institutes evolutionskritische Veröffentlichungen erscheinen, obwohl er nichts damit zu tun hatte. Somit war es eine "Affäre Kutschera".
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Darwinisten und Mendelisten - Kreationistische Auslegung und Kontroverse
In diesem Kapitel behandelt der Autor die Frage, wie Dr. Lönnig die Kontroverse zwischen Gregor Mendel und dem "Darwinismus" interpretiert. Dazu zitiert der Autor von der
Webseite Dr. Lönnigs:
"In Übereinstimmung mit de Vries, Bateson, Johannsen u.a. Biologen sowie mehreren Historikern liegt meine Hauptschlußfolgerung für die um 35 bzw. 72 Jahre verzögerte Anerkennung der Befunde Mendels (um es vorsichtig zu formulieren) in der Schwierigkeit der Darwinschen Evolutionstheorie, die Mendelschen Ergebnisse zu integrieren. Oder mit deutlicheren Worten: Die genetischen Ergebnisse selbst waren den Darwinschen Anschauungen zur Evolution und Vererbung diametral entgegengesetzt, und das ist der Hauptgrund, warum sie nicht beachtet wurden!"
[...]
"Die Opposition des Darwinismus ging soweit, dass im Jahre 1903 das Britische Wissenschaftmagazin Nature keine weiteren Arbeiten von Medelisten zur Publikation mehr annahm (...). Das nenne ich den Versuch der Blockade eines ganzen empirischen Wissenschaftszweiges im Namen des Darwinismus!"
Dr. Lönnig selber ist der Auffassung, dass der biologischen Art und ihre Variabilität Grenzen gesetzt sind, was bereits bei Mendel bekannt war. Er folgert:
"Denn die Mutanten (...) sollen ja den Ursprung in Zusammenarbeit mit der Selektion sämtliche Lebensformen erklären. Und hier zeigten sich doch schon ganz klar recht deutliche Grenzen auf; denn so viele Mutanten auch immer zu beobachten waren: Neue Arten hat noch nie einer bei der Erbse aufgrund von Mutationen beschrieben."
Dr. Lönnig lehnt mit dieser Aussage sowohl eine gemeinsame Stammesgeschichte der Lebewesen, als auch die Entstehung neuer Arten ab.
Der Autor entgegnet:
"In Wahrheit verbirgt sich hinter Lönnigs Behauptung, dass unter einer Vielzahl von Erbsenmutanten keine einzige neue Art aufgetreten sei, ein recht geschickter, rhetorischer Trick, denn neue Arten können auf diese Weise gar nicht entstehen. Einzelne Mutationen werden niemals dazu führen, dass mit einem Schlag eine neue Art entsteht. ...."
Weiter führt der Autor aus, wie neue Arten im Sinne der Evolutionstheorie entstehen, nämlich durch Artumbildung in vielen kleinen Schritten.
Dr. Lönnig einen rhetorischen Trick zu unterstellen ist willkürlich und steht dem Autor nicht zu. Züchtungsforschung an Erbsen benötigt nicht die vielen kleinen Schritte wie ein evolutionärer Prozeß. Man hätte zumindest bei den Forschungsergebnissen Ansätze von neuen Erbsenarten finden müssen, was aber offensichtlich nicht der Fall war.
Schauen wir uns an, wie der Autor die Entstehung neuer Arten bei Erbsen erklärt:
Was also hätte man mit der Erbsenpflanze machen müssen, um die Bildung einer neuen Art beobachten zu können? Genau dasselbe, was man mit Wölfen gemacht hat, so dass Hunde aus Ihnen wurden: Sie über Jahrhunderte und Jahrtausende, früh schon getrennt von ihren wildlebenden Ahnen, unter gänzlich anderen Selektionsbedingungen zu halten. So entstand ein so genannter "Rassenkreis", dessen heutige Enden - Wolf und z.B. Pekinese - kaum mehr als Angehörige derselben Art angesprochen werden können. Angesichts einer derartigen Entwicklungsplastizität, die natürlich auf eine Vielzahl von angesammelten Mutationen zurück geht, ist es schleierhaft, wie der Genetiker Lönnig Ideen von Artkonstanz und ewigen Entwicklungsschranken vertreten kann. Dass durchaus neue Varianten mit z.T. erstaunlichen Änderungen im Phänotyp entstehen können, zeigt eine Vielzahl an dokumentierten Fällen, z.B. die Züchtung des Kulturmais aus der Teosinte (Kutschera 2006)."
Der Autor trifft hier Aussagen, die unbeweisbar sind. Niemand wird je aufzeigen können, ob ein Entwicklungsprozeß nach einem Zeitraum von Jahrhunderten bis Jahrtausenden wirklich das hier beschriebene Ergebnis zeigt, dafür reicht unsere Lebenszeit nicht aus. Dokumentationen aus der Vergangenheit über einen derartigen Prozeß dürften ebenfalls fehlen. Die Züchtung von Kulturmais ist außerdem ein zielgerichteter Prozeß und erklärt damit nicht einen evolutionären Vorgang.
Dr. Beyer trifft mit seinen Argumenten nicht den Kern der Ausführungen von Dr. Lönnig.
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Argumentations-Strategien
In diesem Kapitel werden "Argumentations-Strategien" von Dr. Lönnig behandelt. Gegliedert ist das Ganze in folgende Unterabschnitte:
-
Text -und Zitatinflation, verbunden mit Ungenauigkeiten in den Aussagen
-
Unredliche Zitierweise
-
Vorspiegelung falscher Tatsachen
-
Wortklaubereien, Spiegelfechtereien und Strohmänner
Eine Strategie ist geplant. Der Autor unterstellt damit Dr. Lönnig, dass er alle diese Punkte vorsätzlich geplant und publiziert hat. Angesichts solcher Unterstellungen ist vom Autor nur Polemik zu erwarten. Darum soll nicht der Zusammenhang des Kapitels betrachtet werden, sondern nur einige Punkte.
Weitere Vorwürfe an Dr. Lönnig:
-
"Nun wollen wir untersuchen, mit welcher Taktik Lönnig den Leser von derart unsinnigen Auffassungen zu überzeugen versucht."
-
"... auch hier führt Lönnig den Leser wieder einmal systematisch hinters Licht."
-
"Auch Lönnigs eigene wissenschaftliche Arbeit ist mehr als dünn."
... und einige dieser Art mehr. Sachliche, faire und wissenschaftliche Auseinandersetzungen werden anders geführt, als hier von Dr. Beyer praktiziert.
Eine entgleisende Grenzüberschreitung macht der Autor in folgendem Absatz:
"Daher wählen Kreationisten, genauso wie Flache-Erde- und Hohle-Welt-Gläubige, Gegner der Urknall-, Quanten- oder Relativitätstheorie, Astrologen, UFOLogen, Wunderheiler, Verschwörungtheoretiker, Pendler und andere Esoteriker, das Internet oder weltanschaulich entsprechend ausgerichtete Verlage als Forum für ihre Veröffentlichungen, gerade eben weil dort keine unabhängige Qualitätskontrolle stattfindet."
Anmerkung: Die AG Evolutionsbiologie publiziert ebenfalls im Internet wie auch andere, dieser Vereinigung nahestehenden Personen und Gruppierungen.
Man fragt sich unwillkürlich, warum eine Person wie Dr. Beyer derart absurde Äußerungen von sich gibt? Hier wird die Grenze des Anstandes überschritten. Kreationisten mit Pendlern u.ä. zu vergleichen ist eine emotionale Abqualifizierung und keine sachliche Auseinandersetzung.
Ein weiterer, fast kindisch wirkender Abschnitt:
Wie es eine Person mit einer wissenschaftlich derart schwachen Reputation zu einer festen Anstellung und sogar einem Posten als "Gruppenleiter" in einem Max-Planck-Institut (MPIZ Köln, Abt. H. Saedler) bringen konnte, ist ein Mysterium, dessen Aufklärung möglicherweise Interessantes zutage fördern würde. Zum Vergleich: ich selbst kann aus meiner akademischen Zeit (1989 - 2004) und damit in einem kürzeren Zeitraum als Lönnig, 14 Publikationen in wissenschaftlichen Journalen mit peer-review vorweisen, ohne je ein MPI-Angebot erhalten zu haben."
Das Mysterium hat der Autor nicht näher beschrieben, auch wird nichts darüber gesagt, was an Interessantem zutage gefördert werden könnte. Es wird auch nicht berichtet, warum er vom MPI kein Angebot zur Anstellung erhalten hat. Die Nennung der Anzahl seiner Publikationen mit der Vorstellung, darum doch auch ein Angebot des MPIZ erwarten zu können, wirkt kindisch und verfehlt völlig das Thema des Buches.
Dr. Lönnig hat seine
Publikationsliste veröffentlicht, auch solche mit
peer-review. Die Zahlen stimmen nicht mit denen des Autoren überein. Dr. Beyer sollte daher seine Angaben überprüfen.
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--- Abbruch ---
Der Autor schreibt noch zu verschiedenen anderen Themen. Dabei wiederholt sich sein Aussagemuster, bestehend aus Polemik, Unterstellungen u.ä. Die Bearbeitung dieser Beiträge wird ermüdent, weil sie keinen wirklichen Erkenntnisgewinn bringt. Darum werden sie nicht mehr behandelt.
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Danksagung
Der Autor bedankt sich abschließend bei Dr. Mahner und Dipl.-Ing. (FH) Martin Neukamm für kontroverse Diskussionen und bei Prof. Leinfelder und Dr. Wilkening für gründliches Gegenlesen. Alle hier genannten Personen sind, bis auf Dr. Wilkening, Mitautoren dieses Buches.
Die Danksagung wirkt wie eine "Bestätigung durch Gleichgesinnte" (Mitautoren). Die Frage nach der Wahrheit hat der Autor m.E. nicht befriedigend beantwortet.
In Bezug auf Herrn Neukamm muss etwas deutlich herausgestellt werden. Er könnte als Dipl.-Ing. (FH) kein Evolutionskritiker sein, weil er die von Prof. Kutschera weiter oben aufgestellten
Qualitätsmerkmale nicht erfüllt. Im Kreis der Evolutionsbiologen genießt er offensichtlich hohe Anerkennung, er ist sogar Geschäftsführer der AG Evolutionsbiologie. Daraus folgert etwas eigenartiges: Kritik an der Evolution können gem. Prof. Kutschera nur Personen mit der höchsten fachlichen Ausbildung und entsprechender Forschungserfahrung üben, andere dagegen werden anerkannt, wenn sie lediglich die wissenschaftlichen Positionen der Evolution vertreten, ihr akademischer Grad ist dabei unerheblich.
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Autor: Dipl.-Ing. (FH) Martin Neukamm
Vorbemerkung
Martin Neukamm ist Geschäftsführer der AG Evolutionsbiologie. Er bekämpft evolutionskritische Argumente intensiv, emotional und teilweise auf einer unsachlichen Ebene. In verschiedenen Internetforen beteiligt er sich als Diskutant. Ein von ihm verwendetes
Pseudonym könnte so gedeutet werden:
Ich bringe Darwin`s Umbruch (Unruhe, Aufruhr, Erhebung, Turbulenz, Umwälzung). Offensichtlich ist ihm Darwin eine geistige Autorität, in dessen Diensten er steht und sich in
exponierter Stellung im Kampf gegen Kreationismus eingebunden weiß. So ein verinnerlichtes Sendungsbewußtsein ist nicht zwangsläufig eine gute Voraussetzung für sachbezogene Wissenschaftsdiskussionen. Kämpfer sind auf Sieg eingestellt, nicht auf Wahrheitsfindung, Konsens oder Verständnis. Das
Pseudonym wirkt aus einem Alter, in dem sich Kinder durch Rollenspiele an ihre
Identität herantasten.
Als Autor hat Herr Neukamm einen gewöhnungsbedürftigen Stil. In seinen Ausarbeitungen finden sich viele Zitate. Das ist zunächst nichts ungewöhnliches. Die Häufigkeit jedoch prägen Schreibstil und Inhalt ganz entscheidend. Die verschiedenen Zitate werden durch eigene Gedankenführung zu einer Gesamtheit verbunden und führen zu einem gedanklichen "Flickenteppich". Die Ausführungen sind in weiten Teilen ein Cocktail fremder Positionen, garniert mit eigener Interpretation. Daran ist wieder das Sendungsbewußtsein zu erkennen: Herr Neukamm verbreitet Erkenntnisse anderer Personen und positioniert sich selber durch den Nachweis, daß er sie richtig verstanden und interpretiert hat. Anders formuliert: Herr Neukamm ist ein "Sprachrohr" für geistige Autoritäten. Die Tatsache z.B., daß er für
Prof. Kutschera eine Stellungnahmen wegen "Falschaussagen" schreibt, bestätigt diese Aussage.
Damit soll nicht übersehen werden, daß sich in seinem Cocktail auch lesenswerte Gedanken finden.
Nachtrag 1.12.2009: Martin Neukamm hat ein neues Buch herausgegeben: "Evolution im Fadenkreuz des Kreationismus". Sieht man sich den
Umschlag an, so kann man erahnen, welche kämpferischen Beweggründe ihn umtreiben. Wenn er Kreationisten als "Todesschützen" ansieht, dann wird verständlich, warum er sich aggressiv in der Öffentlichkeit gegen sie äußert. (Ähnliche Vermutungen dürften auch auf seine Mitautoren zutreffen.)
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Wissenschaft und ontologischer Naturalismus. Eine Kritik antievolutionistischer Argumentation
In diesem Kapitel begründet der Autor, warum er über "ontologischen Naturalismus" schreibt. Es handelt sich hier um ein interessantes Thema. Eine sachliche Abhandlung wäre angebracht, was Herrn Neukamm stellenweise gelingt. Störend wirken dagegen einige Passagen schon in der Einleitung.
Bereits in der Überschrift zu seinem Artikel findet sich ein Ausdruck, der unter Wissenschaftlern nicht verwendet werden sollte: "antievolutionistisch".
Dazu verweise ich auf ein Zitat von ihm. "Antievolutionistisch" erinnert an das Vokabular sozialistischer Staaten östlicher Prägung und ist im Rahmen einer wissenschaftlichen Diskussion ungeeignet.
Weiter schreibt Herr Neukamm
"Etliche Theologen glauben immer noch, dort, "wo es kompliziert wird und wo noch nicht alles bekannt ist, eine Stelle finden zu können ... an der nur supernaturalistische Beschreibung weiterhelfen kann" (Kanischeider 1999, S. 80)
Der Autor macht es sich zu einfach. Es geht in der Diskussion Schöpfer - Evolution nicht hauptsächlich darum, Erklärungslücken zu finden, um anschließend mit supernaturalistischen Argumenten einen Schöpfer "herbeizuargumentieren". Viele Theologen bemühen sich um eine sachliche Klärung der Meinungsdifferenzen, oft tendieren sie zum Erklärungsmodell der Evolutionstheorie. Eine der Kernfragen lautet, ob ein evolutionärer Prozeß, wie er von der Wissenschaft
postuliert wird, überhaupt möglich ist? Noch gibt es viele Argumente dagegen, die geklärt werden müssen. Der Hinweis auf "einige Theologen" ist in diesem
Kontext eine Verharmlosung der Kernfrage.
Weiter schreibt Herr Neukamm
"Angesichts der Tatsache, dass philosophisch-wissenschaftstheoretische Fragen Kernbestandteil der Auseinandersetzung sind, mag es überraschen, dass nur wenige Wissenschaftler den Naturalismus charakterisieren oder angemessen argumentativ verteidigen können, obgleich die meisten ihrer Zunft (in einem Sinn, den wir noch erläutern müssen) Naturalisten sind. Es erscheint daher angezeigt, sich näher mit diesen Fragen auseianderzusetzen."
Dieses Zitat verdeutlicht etwas vom Sendungsbewußtsein des Autors. Es bleibt abzuwarten, ob seine weiteren Ausführungen dazu helfen, Wissenschaftlern den ontologischen Naturalismus als argumentatives Fundament zu vermitteln.
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Der ontologische Naturalismus und seine Kritiker
Bei Wikipedia ist zu lesen:
Die Ontologie ist eine Disziplin der theoretischen Philosophie. Es geht ihr um die Grundstrukturen der Realität. Dieser Gegenstandsbereich ist weitgehend derselbe, der nach traditioneller Terminologie auch "allgemeine Metaphysik" genannt wurde.
In einigen traditionellen Herangehensweisen steht der Begriff des Seins selbst im Vordergrund. Allgemeiner fällt unter den Gegenstandsbereich der Ontologie eine Systematik grundlegender Typen von Entitäten (Gegenstände, Eigenschaften, Prozesse) und deren struktureller Beziehungen.
Spezielle Gegenstandsbereiche betreffende Fragen sind zum Beispiel: Was ist der Mensch?, Gibt es einen Gott? oder hat die Welt einen Anfang?. Diese Themen nannte eine traditionelle Stoffgliederung spezielle Metaphysik.
Heute werden in der systematischen Philosophie die Ausdrücke Ontologie und Metaphysik zumeist gleichsinnig gebraucht.
Der Autor definiert
Ontologie gleichermassen. Es handelt sich hier um ein interessantes philosophisches Thema zur Klärung von Abgrenzungen. Ist es beispielsweise vernünftig, in die Betrachtung unseres Lebens oder Seins Aspekte einzubeziehen, die mit dem uns vorliegenden Wissen nicht erklärbar sind und auch niemals sein werden? Ist es aus wissenschaftlicher Sicht zulässig, einen Schöpfer einzubeziehen? Wissenschaftler mit einer unaufgeregten und sachlichen Denkweise könnten hier interessante Antworten finden. Der Autor jedoch vermengt in einem einzigen Satz sachliche Aussagen mit
unangemessener
Polemik. Er schreibt:
"Nach der These des ontologischen Naturalismus ist der Kosmos kausal strukturiert und in sich abgeschlossen, das heißt alle Phänomene können gesetzmäßig und auf der Basis weltimmanenter (natürlicher) Prinzipien und Mechanismen - also ohne Zuhilfenahme von Göttern, Geistern, unspezifischen Designern, Seelen als rein geistiges Substrat, Wundern, Prophezeiungen, Telepathie, Astrologie und sonstigen transzendenten Dingen - beschrieben und erklärt werden."
In diesem Buch werden Kritiker der Evolutionstheorie eindeutig beim Namen genannt. Dabei stehen an erster Stelle und unermüdlich wiederholt der Genetiker Dr. Wolf-Ekkehard Lönnig und die Studiengemeinschaft Wort und Wissen. Daneben werden Kreationisten allgemein genannt, insbesondere diejenigen aus den USA. Mir selber ist nicht bekannt, dass dieser Personenkreis mit Geistern, Telepathie, Astrologie und sonstigen transzendenten Dingen in Verbindung zu bringen ist. Herr Neukamm baut ein Bild von Evolutionskritikern auf, das irreführend ist. Hier zeigt sich deutlich die zum Beginn dieses Abschnittes gemachte Bemerkung, dass Kämpfer auf Sieg eingestellt sind, nicht aber auf Wahrheitsfindung, Konsens oder Verständnis.
In den folgenden Ausführungen widersetzt sich der Autor gegen ID-Anhänger. Dieser Personenkreis erklärt, dass viele Funktionen in unserem Leben über eine hohe Komplexität verfügen, die nicht einfach durch Zufallsprozesse entstehen können. Folgerichtig sind diese Personen von einem Schöpfer überzeugt, auch wenn viele keine konkreten Angaben darüber machen, wen sie hinter der Schöpfung sehen. Nun
analysiert Herr Neukamm an einer völlig ungeeigneten Stelle den wissenschaftlichen Hintergrund dieser Personen um dann zu erklären, dass diese unwissenschaftlich sind. Was ist damit gemeint? Wissenschaftler, die zu dem Schluß kommen, daß ID der Evolution widerspricht, erklären das i.d.R. mit seriösen und wissenschaftlichen Begründungen. Ein sehr interessantes Beispiel ist das Buch
"Evolution, ein kritisches Lehrbuch" von Wort und Wissen. Hier werden von kompetenten Wissenschaftlern die z.T. unüberbrückbaren Erklärungslücken in der Evolutionstheorie fundiert, sachlich und unaufgeregt aufgezeigt. Herr Neukamm hingegen setzt die wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung durch ID völlig
undifferenziert mit dem Glauben ihrer Vertreter gleich, macht sie lächerlich und entkräftet Glaubensfragen mit wissenschaftlichen Erklärungen. Diese Scheingefechte lenken von der Tatsache ab,
dass die Evolution im Sinne Darwins noch lange keine bewiesene Tatsache ist. Sie widerspricht vielen wissenschaftlichen Erkenntnissen. ID zeigt es sehr deutlich, darüber muss ernsthaft diskutiert werden. Es ist keine saubere wissenschaftliche Arbeitsweise, sich mit
penetranter Polemik über diesen Punkt hinwegzusetzen.
Herr Neukamm schreibt weiter:
"Wir sehen also, daß ID keinen innerwissenschaftlichen Diskurs anstrebt, sondern eigentlich daran interessiert ist, die Grundprinzipien der Realwissenschaften zu torpedieren."
Diese Aussage kann man nur als Unsinn bezeichnen.
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ID basiert auf der Methodik wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung.
-
Wenn zwischen Vertretern von ID und Evolutionstheorie kein innerwissenschaftlicher Diskurs möglich ist, so begründet sich das i.d.R. mit der völlig despektierlichen Art, wie Evolutionsvertreter mit ihren Kritikern umgehen.
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ID will nicht "Realwissenschaften" (was man darunter auch immer verstehen mag) torpedieren, um sie mit Unwissenschaftlichkeit zu ersetzen, sondern zu einem sachlichen Diskurs beitragen. Wer Kritik an der Evolutionstheorie als "torpedieren der Realwissenschaften" interpretiert, verfolgt eine "Meinungs-Verteidigungs-Strategie", sieht sich in einer Opferrolle und verschließt sich wissenschaftlichen Erkenntnissen.
In seiner beruflichen Praxis als Laboringenieur dürfte sich der Autor mehr nach Erkenntnissen des ID richten und weniger den evolutionären Zufallsprinzipien vertrauen.
Das folgende Zitat von ihm zeigt, dass er die Problematik von Zufallsprozessen kennt.
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Methodologische Aspekte: Theorieprüfung und Erklärung
In diesem Kapitel geht es im weitesten Sinne um die Frage, nach welcher Methode man wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnt. Was ist dabei zu bedenken, um verlässliche Aussagen zu erhalten?
Das Kapitel beginnt mit
[...] kann Wissenschaft in der Tat nicht ohne philosophische Voraussetzungen betrieben werden.
Dem kann man zustimmen. Die Philosophie von Herrn Neukamm, auf der er seine weiteren Ausführungen aufbaut, ist:
Die Realwissenschaften sind vor allem an bestmöglicher Absicherung (Prüfung) ihrer Theorien sowie an mechanismischen Erklärungen interessiert. Überprüfbar sind jedoch nur Theorien, die kausal strukturierte, materielle Objekte zum Gegenstand haben, die sich gesetzmäßig verhalten und durch weltimmanente Prinzipien, das heißt durch Wechselwirkung mit anderen Dingen entstehen und sich entwickeln (Elementarteilchen oder deren Systeme). Übernatürliche Wesenheiten "entziehen sich hingegen per definitionem unserem Zugriff und sind auch nicht an (zumindest weltliche) Gesetzmäßigkeiten gebunden" (Mahner 20033a, S. 138) Es ist also augenscheinlich, dass sich für das Wirken transzendenter Kräfte keine objektive Grenze angeben lässt. Dasselbe trifft auch auf nicht spezifizierbare Designer zu. Die Welt könnte sich wie auch immer verhalten, ohne dass ein Argument für oder gegen die Existenz einers "intelligenten Zwecksetzers" spräche."
Diese philosophische Basis ist nicht durchgehend
stringent.
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Was ist eine "Realwissenschaft"? Wo ist die Abgrezung zur "Un-Realwissenschaft"? In diesem Kontext dient der Begriff nur der Egopathie und und ist hier falsch platziert.
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Überprüfbar sind jedoch nur Theorien, die kausal strukturierte, materielle Objekte zum Gegenstand haben, ...
Grundsätzlich kann man dieser Erklärung zustimmen. Der Autor kippt damit aber die gesamte Evolutionstheorie. Sie ist nicht kausal, weil sie auf dem TdU aufbaut. Zufall ist grundsätzlich keine wissenschaftliche Erklärung, sondern der Lückenbüsser schlechthin für jede Kenntnislosigkeit. Eine Selektion ohne Zielvorgaben kann keinen Prozeß lenken.
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[..] die sich gesetzmäßig verhalten und durch weltimmanente Prinzipien, das heißt durch Wechselwirkung mit anderen Dingen entstehen und sich entwickeln (Elementarteilchen oder deren Systeme).
Hier reduziert Herr Neukamm seine Philosophie speziell auf die Evolution. Die Entstehung und Entwicklung z.B. neuer Arten durch Wechselwirkung mit anderen Dingen ist ein Beweisziel und darf nicht Teil einer philosophischen Grundlage sein. Hier zeigt sich ein typischer Zirkelschluß. Das, was bewiesen werden muß, ist bereits als Tatsache vorgegeben. Unter diesem Tunnelblick kann man ein gewisses Verständnis für Herrn Neukamm aufbringen, wenn er jegliche Kritik an der Evolutionstheorie bekämpft. Was soll er auch anderes erkennen können, wenn seinem gedanklichen Konzept vorne und hinten ein Label mit der Aufschrift "Evolution, nothing else" (Evolution, nichts anderes) anhaftet. Es erinnert an das Zitat von Dobzhansky.
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[..] Übernatürliche Wesenheiten entziehen sich hingegen per definitionem unserem Zugriff und sind auch nicht an (zumindest weltliche) Gesetzmäßigkeiten gebunden. Es ist also augenscheinlich, dass sich für das Wirken transzendenter Kräfte keine objektive Grenze angeben lässt.
Dieser Aussage kann man zustimmen. Darum ist der Versuch einer wissenschaftlichen Beweisführung für oder gegen einen Schöpfer sinnlos.
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[..] Dasselbe trifft auch auf nicht spezifizierbare Designer zu. Die Welt könnte sich wie auch immer verhalten, ohne dass ein Argument für oder gegen die Existenz einers "intelligenten Zwecksetzers" spräche.
Dieser Aussage kann man nicht zustimmen. Wenn es einen Designer gibt, unerheblich ob wir ihn spezifizieren können oder nicht, so hat er Regeln, Aufbau, Wirkungsweise und Bauplan erstellt. Die Welt würde sich nach diesen Regeln verhalten und nicht so einfach "wie auch immer".
Weiter heißt es:
Only a reasonably detailed model could provide explanatory hypotheses that can be empirically tested. 'An unknown intelligent designer did somethink, somewhere, somehow, for no apparent reason' is not a model. (Gishlick
et al., 2004).
Freie Übersetzung von K. Willnat: Nur ein ausführliches, vernünftiges Modell ermöglicht erklärende Hypothesen, die
empirisch geprüft werden können. Ein unbekannter intelligenter Designer, der irgendetwas, irgendwo, irgendwie ohne offensichtlichen Grund machte, ist kein Modell.
Ein unbekannter intelligenter Designer, der irgendetwas, irgendwo, irgendwie ohne offensichtlichen Grund machte, ist kein Modell. Evolutionswissenschaftler haben aber diesen Satz in Form des
TdU in den Grundfesten ihrer wissenschaftlichen Erklärungen einzementiert. Als Beweis für die Evolution hat er damit Gültigkeit, als Hinweis auf einen Schöpfer nicht. Das ist ein Widerspruch. Gishlick hat hier einen sehr unüberlegten Satz formuliert und Herr Neukamm sollte sich über die Unsinnigkeit dieser Aussage im
Kontext mit der Evolutionstheorie im Klaren sein.
In diesem Kapitel wird weiter die Methodologie des ontologischen Materialismus als eine notwendige Grundlage für "Realwissenschaften" begründet. Ich selber kann nicht immer erkennen, ob der Autor sich darüber klar ist, was er worüber schreibt. Es ist denkbar, daß er einfach nur Sieger in seinem Kampf gegen "Antievolutionismus" sein möchte.
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Weitere Themen
Herr Neukamm behandelt noch eine Reihe anderer Themen. Die Beweisführung, dass unser Leben nicht durch einen Schöpfer entstanden sein kann, ist ihm ein offensichtliches Anliegen. Eine "Nichtexistenz" ist aber niemals beweisbar. Entsprechend entwickelt der Autor ein Gedankengebäude, das an vielen Stellen nicht
stringent ist. Es sollen darum nicht mehr alle Themen besprochen werden. Ersatzweise soll an einem Kapitel die grundsätzliche Denkweise des Autors dargestellt werden.
Beispiel: Irreduzible Komplexität
Über irreduzible Komplexität wurde schon viel geschrieben. Ein System ist irreduzibel komplex, wenn es aus mehreren Komponenten besteht, die in ihrer Funktion aufeinander angewiesen sind. Fehlt eine dieser Komponenten, erfüllt das System seine Aufgabe nicht mehr und kann seine Funktion nicht mehr ausführen. Ein typisches Beispiel ist das Herz mit Herzklappen. Ein Herz ohne seine Klappen hört sofort auf zu schlagen, Herzklappen ohne Herz ergeben keinen funktionalen Sinn und bewirken nichts. Beide Komponenten sind aufeinander angewiesen. Ein solches System kann sich nicht zufällig entwickeln, weil sich mindestens 2 Komponenten (i.d.R. noch viel mehr) mit geeigneter Funktionalität zum gleichen Zeitpunkt entwickelt und zu einer Einheit geformt haben müssen. Für einen Zufallsprozess ist das undenkbar. Folgerichtig steht die Erkenntnis der irreduziblen Komplexität der Evolutionstheorie entgegen.
Wie "irreduzibel komplexe" Merkmale zufällig entstehen können, erklärt der Autor an folgendem Beispiel (S. 212).
Darüber hinaus können "irreduzibel komplexe" Merkmale auch dadurch entstehen, dass ein gradualistisch entstandenes System im Nachhinein alle redundanten Teile verliert (Korthof 2006; Abb. 5.6).
 A |
|
 B |
(Die Bilder wurden nachgezeichnet)
Abb. 5.6: Ein Steinbogen (A) scheint auf den ersten Blick nicht sukzessive entstehen zu können.Wird auch nur ein Stein entfernt, bricht der Bogen in sich zusammen; er erscheint "irreduzibel komplex". Muss das Gebilde also in einem Schritt entstanden sein? Nein, der Steinbogen kann auch indirekt (auf einem Nebenweg) entstehen, indem zunächst kontinuierlich Steine auf einen Haufen geschichtet werden (B). Werden die redundanten Steine anschließend entfernt, bleibt der Bogen übrig. Nach Korthof (2006) aus Caims-Smith (1985).
Die Aussage dieses Beispiels muß man sich einmal deutlich vor Augen führen.
-
Wenn ein gradualistisch entstandenes System im Nachhinein alle redundanten Teile verliert, kann es irreduzibel komplex werden. Was aber sind für einen Zufallsprozess redundante Teile? Die Entscheidung, darüber kann nur eine urteilsfähige Instanz treffen. (s. TdU)
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Die Evolutionswissenschaft sagt, dass evolutionäre Prozesse kein Entwicklungsziel haben. Damit wird insbesondere der irreduziblen Komplexität die Aussagekraft abgesprochen. Die Entwicklung des Steinbogens erfordert aber ein eindeutiges Entwicklungsziel, mehr noch, es erfordert bestimmte Entwicklungsschritte wie
- Zielsetzung: Es soll ein Steinbogen entstehen.
- Planung: Was muss geschehen, um das Ziel zu erreichen? (Steine aufhäufen, überflüssige Steine entfernen)
- Gezielte Durchführung: Redundante Steine ermitteln und entfernen.
- Qualitätssicherung: Darauf achten, dass nicht die falschen Steine entfernt werden. Versehentlich heruntergefallene müssen wieder an die richtige Stelle zurückgelegt werden.
Das ist kein richtungsloser Zufallsprozess mehr.
-
Herr Neukamm sollte einmal praktisch demonstrieren, ob ein derartiger Umwandlungsprozess von einem Steinhaufen zu einem Steinbogen mit den Erklärungsmodellen der Evolutionstheorie überhaupt möglich ist? Zur Verkürzung von Entwicklungszeiten könnte er selber eingreifen, um den evolutionären Prozess für einen überschaubaren Zeitrahmen zu simulieren.
- Schritt 1: Er muß einen Steinhaufen anlegen, bei dem einige der oberen Steine bereits den Rundbogen abbilden. Hier dürften die ersten Probleme entstehen. Die Steine müssen so geschichtet werden, dass sie für die oberen eine sichere Grundlage bilden. Es besteht sonst die Gefahr, dass beim späternen Entfernen von Steinen auch der Rundbogen zusammenfällt.
-
Schritt 2: Er muß alle überflüssigen Steine entfernen, damit zum Schluß der Rundbogen stehen bleibt. Spätestens hier dürfte das Vorhaben scheitern. Er wird kaum ineinander verkantete Steine von unten entfernen können, ohne dass darüberliegende herunterfallen.
Herr Neukamm bekäme Schwierigkeiten, diesen Vorgang erfolgreich abzuschließen. Ein richtungsloser Zufallsprozess dagegen wäre mit Sicherheit überfordert. Diese Bemühungen werden kaum die Bestätigung liefern, dass ein irreduzibles System zufällig entstehen kann.
Der Autor müßte, um seinem Beispiel gerecht zu werden, selber ID (Intelligent Design) praktizieren. Damit würde er einen evolutionären Prozess mit der Vorgehensweise eines Schöpfers beschreiben um zu beweisen, dass man keinen Schöpfer benötigt.
Ein vergleichbares Beispiel wird auch von
Prof. Dr. Thomas Junker behandelt.
Beweisführungen dieser Art sind in sich widersprüchlich und erschweren eine sachliche Abhandlung. Hier liegt der Grund, warum ich nicht weiter auf alle Beiträge von Herrn Neukamm eingehe.
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Mein besonderer Dank
Mit einer Danksagung schließt der Autor seinen Beitrag ab.
Mein besonderer Dank gilt Herrn Dr. M.Mahner, Leiter des Zentrums für Wissenschaft und kritisches Denken der GWUP e.V. (Roßdorf), der eine frühere Fassung dieser Arbeit gelesen und mich mit vielen hilfreichen kritischen Anmerkungen unterstützt hat. Des Weiteren seien Dr. A.Beyer (Fachhochschule Recklinghausen) und Herrn T.Waschke (Herborn) dankend erwähnt, die mit ihren Diskussionen indirekt die Entstehung dieses Beitrags gefördert haben.
Dr. Mahner und Dr. Beyer sind Mitautoren dieses Buches. Daneben werden Waschke, Korthof und Caims-Smith aufgeführt (s. Abbildung der Steine). Sie alle dürften damit von der Ansicht überzeugt sein, dass ein evolutionärer Prozeß für ein nicht reduzibel komplexes System mit der Vorgehensweise eines Schöpfers erklärt werden kann. Dass diese Auffassung nicht
stringent ist, dürfte einsichtlich sein. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle Herrn Dr. Mahner. Als Leiter des
Zentrums für Wissenschaft und kritisches Denken der GWUP e.V. (Roßdorf) setzt er sich einerseits gegen Pseudowissenschaft und irrationales Denken ein, andererseits befürwortet er Aussagen wie die hier besprochene, aus meiner Sicht ein klarer Widerspruch. Kritisches Denken ist in der Wissenschaft unablässig. Es muss aber konsequent durchgeführt werden und darf nicht nur zur Untermauerung der eigenen Position dienen.
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Autoren: Dipl.-Ing. (FH) Martin Neukamm, Dr. Andreas Beyer
Die Affäre Max Planck
In diesem Kapitel geht es um den Genetiker Dr. Wolf-Ekkehard Lönnig, dessen
Homepage auf dem Server des MPIZ gesperrt wurde. Das Thema wird in diesem Buch von den Autoren Prof. Kutschera, Dr. Beyer und Dipl.-Ing. (FH) Neukamm gemeinsam mit Dr. Beyer behandelt. Dr. Beyer hat sich damit in zwei Artikeln zu dem Thema geäußert, ein außergewöhnlich starkes Bemühen. Die Autoren rechtfertigen den Vorgang mit einer Selbstverständlichkeit, als ob sie innerhalb des MPI wie Mitglieder eines Aufsichtsrates Verantwortungsträger waren. Auf ausführlichen 40 Seiten wird das Kapitel in der gewohnten Weise aus einer Mischung von Fakten, Polemik und Unterstellungen abgehandelt.
Ich selber habe zu diesem Thema einen ausführlicheren Bericht geschrieben und möchte aus diesem Grund nur eine eigene zusammenfassende Bewertung geben.
Es gab keine Affäre Max Planck, in der Dr. Lönnig das Problem war.
Begründung:
-
Dr. Lönnig hat auf dem Server des MPIZ rein wissenschaftliche, evolutionskritische Arbeiten veröffentlicht.
-
Das MPIZ war darüber informiert und hat es akzeptiert.
-
Prof. Saedler respektierte es mit dem Ausspruch: "Toleranz beflügelt die Wissenschaft".
-
Dr. Lönnig hat gemeinsam mit seinem Vorgesetzten Prof. Saedler wissenschaftliche Arbeiten publiziert.
Es gab eine Affäre Max Planck, in der Prof. Kutschera das Problem war.
Begründung:
-
Prof. Kutschera agierte als WdrL und mischte sich in die Angelegenheiten des MPI ein.
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Nach dem ersten Antrag zur Sperrung der Internetseite reagierte das MPI ablehnend. Trotzdem kämpfte Prof. Kutschera weiter.
-
Erst ein von ihm massiv erzeugter öffentlicher Druck führte zum gewünschten Ergebnis.
Es gab eine Affäre Max Planck, in der die Direktoren des MPI ein Problem waren.
Begründung:
-
Sie ließen ihre Grundauffassung von einer außerhalb des Institutes stehenden Person diktieren.
-
Sie beugten sich wider Willen dem öffentlichen Druck, der von dieser Person aufgebaut wurde.
-
Sie betrieben am Ende eine Wissenschaftszensur wider Willen, ein Ausdruck von Hilflosigkeit.
-
Die Direktoren waren erpressbar.
Unter dem Blickwinkel, dass Prof. Kutschera für das MPI keine Verantwortung getragen hat, komme ich zu folgendem Schluß:
Den Vorgang als eine Affäre Max Planck darzustellen, in der Dr. Lönnig das Problem war, ist grotesk.
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Autor: Prof. Dr. Reinhold Leinfelder
Der deutsche Kreationismus und seine Rahmenbedingungen aus der Sicht eines Paläontologen
In seinem einführenden Kapitel beschreibt der Autor, warum ein
Paläontologe tagtäglich mit der Evolution konfrontiert wird. Ein
Paläontologe
- versucht die Geschichte des Lebens mit der Geschichte der Erde zu entschlüsseln.
- führt Bestimmungen der Fossilarten nach vergleichenden Kriterien, ihren Verwandtheitsgrad nach Ähnlichkeiten und Unterschieden sich weiterentwickelnder Merkmalskomplexe durch, führt das ganze auf sich verzweigende Stammbäume zurück.
- beschäftigt sich mit Aussterbeereignisse und evolutionäre Variationen.
- untersucht Fossilien.
- u.v.a.m
Der Autor hielt es längere Zeit für überflüssig, sich mit Kreationismus auseinanderzusetzen, um letztlich diesem Personenkreis keine zusätzliche Plattform zu geben. Der Kreationismus sollte totgeschwiegen werden. Dabei war er (mit Evolutionskritik) immer ein wichtiges und bedeutendes Thema in unserer Gesellschaft. Spätestens mit diesem Buch greift der Autor in die öffentliche Debatte ein, ein Zeichen dafür, dass Kreationismus (und Evolutionskritik) nicht so einfach totgeschwiegen werden können.
Bereits eine Aufgabe der
Paläontologie ruft Bedenken hervor:
Bestimmungen der Fossilarten nach vergleichenden Kriterien. Vergleichende Kriterien sind
"Wissenschaft der augenscheinlichen Begutachtung", wenn sie ohne Kenntnis der ursächlichen Wirkmethoden zwischen den einzelnen Elementen zur Klärung von Abstammungen dienen. Baut man darauf wissenschaftliche Aussagen wie z.B. einen Stammbaum auf, so ist die Gefahr von Fehlschlüssen groß. Die oft notwendige Änderung von Stammbäumen zeigt das sehr deutlich. Wenn man heute alles, was vor unseren Augen ist, nach dieser vergleichenden Methode bewerten würde, käme man zu folgenden Erkenntnissen: Autos, Häuser und Computer haben jeweils einen gemeinsamen Ursprung. Grundsätzlich kann man dem zustimmen, weil viele technische Errungenschaften aufeinander aufbauen. Für die Entstehung müssen aber die Wirkprinzipien bedacht werden. Technische Produkte sind nicht zufällig entstanden, sondern durch Forschung und Entwicklung. Aus den Ähnlichkeiten die Erkenntnis abzuleiten, dass alles zufällig entstanden ist, dürfte ein Fehlschluss sein. Das trifft auch für die Entstehung der Lebewesen zu. Augenscheinliche Begutachtung reicht nicht aus, um Entstehungsprozesse zu erklären.
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Schöpfung contra Evolution?
"Es ist nicht nur unerfreulich, sondern gesellschaftlich überaus bedenklich, dass das Thema "Kreationismus in Deutschland" keinesfalls ad acta zu legen war, sondern mehr denn je der Positionierung, insbesondere aber auch der thematischen Aufklärung durch Fachkollegen bedarf."
Mit dieser Aussage wird das Kapitel eingeleitet. Was ist aber gesellschaftlich bedenklich? Etwa, dass die Evolutionskritik nicht verstummt ist? Vor ca. 150 Jahren hat Darwin sein Buch "Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl" veröffentlicht. Bis heute ist die Kritik nicht verstummt. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Sie liegen nicht nur in den Glaubensüberzeugungen von Menschen, sondern auch in einer anderen Bewertung durch Wissenschaftler. Wenn es aber wissenschaftlich fundierte Kritik an der Evolutionstheorie gibt, muß man sich dieser offen stellen, andernfalls würde man keine saubere Wissenschaft betreiben. Der Autor läßt diese notwendige Offenheit in seiner Aussage nicht erkennen.
Es ist m.E. gesellschaftlich ebenso bedenklicdh, wenn Vetreter der Evolutionstheorie berechtigte Kritik nicht zur Kenntnis nehmen wollen und diese in einer unangemessenen Weise diskreditieren, wie in diesem Buch insgesamt praktiziert. Thematische Aufklärung, die hier vom Autor angesprochen wird, bedarf es auf beiden Seiten.
Eine weitere kritikwürdige Aussage des Autoren lautet:
Dabei ist gleichzeitig aber auch darauf zu achten, dass eines der Hauptziele der Kreationisten, nämlich die Gesellschaft zu spalten, nicht dadurch erleichtert wird, ...
Diese Aussage wird nicht näher begründet. An dieser Stelle wäre es notwendig, konkreteres mitzuteilen. Diese Aussage nennt keine Beispiele und pauschalisiert. Im weiteren Verlauf spricht der Autor aber auch kritisches gegenüber seinen Kollegen und ermahnt, nicht ins Dogmatische und Intolerante abzugleiten.
Der Autor erklärt das Ziel seines Artikels wie folgt:
Ich möchte vielmehr versuchen, einen kleinen Einblick in die mir bekannte Situation des deutschen Kreationismus insbeondere im geowissenschaftlichen-paläontologischen Bereich zu geben sowie kurz auf die gesellschaftlichen Voraussetzungen für den potentiellen Erfolg des Kreationismus einzugehen, um dann einen detaillierten Blick auf die von Kreationisten angeblichen "Fehler" der Evolutionstheorie aus paläontologischer Sicht zu werfen.
Prof. Leinfelder verzichtet im Gegensatz zu anderen Mitautoren auf Polemik. Insofern sind seine Ausführungen lesenswert, geben aber auch Anlass zur Kritik. Einige Punkte möchte ich herausarbeiten.
Was die Kreationisten, teils versteckt, teils offen letztendlich transportieren, läuft zugegeben überspitzt ausgedrückt auf folgendes hinaus: Entweder ihr glaubt an die dogmatische naturalistische Wissenschaft, die Teufelszeug ist, oder an die Schöpfung, welche nach Lesart der Kreationisten ja ebenfalls mit wissenschaftlichen Methoden beweisbar sein soll.
Diese Aussage ist zu pauschal und fördert nur Vorurteile. Sicher gibt es viele Kreationisten, die so denken und argumentieren. Die eigentliche Auseinandersetzung zwischen der Evolutionstheorie und deren Kritiker vollzieht sich aber auf einer anderen Ebene. Insofern dient dieses Zitat nur einem Vorwand, um sich Diskussionen mit Evolutionskritikern zu ersparen. Personen wie Prof. Behe, Prof. Scherer, Dr. Lönnig, Dr. Junker u.v.a.m stellen die Evolutionstheorie mit wissenschaftlichen Begründungen in Frage. Das ist ernst zu nehmen. Wenn sich Evolutionskritiker wie die o.g. mindestens teilweise als Christ äußern, so liegt das auf einer anderen Ebene. Martin Neukamm schrieb in seinem Artikel zum Thema
Wissenschaft und ontologischer Naturalismus einen lesenswerten Beitrag zur Abgrenzung zwischen wissenschaftlichen Erklärungen und weltanschaulichen Überzeugungen und plädiert dafür, letztere aus dem Wissenschaftsbetrieb zu entfernen. Dem kann man zustimmen. Glauben und Lebensüberzeugungen haben nicht direkt etwas mit Wissenschaft zu tun. Insofern sollte man die ontologische Abgrenzung konsequent durchführen und gläubige Wissenschaftler nur an ihren wissenschaftlichen Ergebnis messen. Es wäre widersprüchlich, Glaubensfragen einerseits aus dem Wissenschaftsbetrieb auszuklammern, andererseits zur Verteidigung der eigenen Position wieder einzubeziehen. Evolutionswissenschaftler sollten mit den o.g. Evolutionskritikern einmal
nur über deren wissenschaftlichen Forschung und Auffassung diskutieren und jegliche Glaubensfrage außer Acht lassen, also reinen "
ontologischen" Umgang miteinander pflegen. Dass sich heute viele Evolutionswissenschaftler gegen einen differenzierten Umgang mit Kritikern wehren, halte ich für bedenklich und führt ebenfalls zur Spaltung der Gesellschaft. Wenn kreationistische Wissenschaftler über den
ontologischen Rahmen hinaus Deutungen zur Entstehung des Lebens haben, ist es eine andere Ebene, die Wissenschaft zunächst nicht tangieren muß. Es ist die Evolutionstheorie selber, die wegen ihrer vielen offenen Fragen und teilweise eigenartigen Begründungen über den
ontologischen Rahmen hinaus nach Antworten suchen läßt.
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Darwinismus und Ideologie
In diesem Kapitel verteidigt der Autor Darwin gegen Vorwürfe aus verschiedenen Richtungen. Ähnliches hat auch
Prof. Kutschera in vorherigen Kapiteln behandelt.
Darrwin hat durch sein Hauptwerk "Die Entstehung der Arten" neben Begeisterung auch einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Später wurde er für viele Verbrechen und Entgleisungen verantwortlich gemacht:
Eigenartig sind die Ausführungen unter dem Blickwinkel, dass die Mitglieder der AG Evolutionsbiologie
zu diesem Thema einen Artikel veröffentlicht haben, in denen das Problem Eugenik erkannt und behandelt wurde.
Darüber hinaus wird erklärt, dass Darwin mit seinem
"Darwinismus" für "Schwarze-Peter" - Schuldzuweisungen herhalten mußte. Als Beispiele werden genannt:
- wirtschaftliche Depression in den 20-er Jahren
- Stagnation Ende der 80-er Jahre
Das gesamte Kapitel wird bedauerlicherweise sehr pauschal behandelt. Ein kritischer Leser kann kaum überprüfen, ob die Darlegungen des Autoren stimmen, falsch interpretiert wurden, eine persönliche Auffassung darstellen oder nur das Ergebnis logischen Denkens ohne Prüfung der Richtigkeit ist, weil wenig brauchbares Quellenmaterial aufgeführt wird. Insofern ist man auf Vertrauen angewiesen, dass ein Wissenschaftler schon alles "richtig" weiss. Die pauschalen Darlegungen sind eine grundlegende Schwäche des Kapitels. Auch in
populärwissenschftlichen Veröffentlichungen sollte präziser argumentiert werden.
Grundsätzlich abzulehnen sind die Stellen, in denen New Age, Esoterik, Pseudomedizin, Kreationismus u.a. derart undifferenziert nebeneinander aufgeführt werden, dass man zwischen ihnen keinen grundsätzlichen Unterschied erkennt. Solche Ausführungen sind irreführend. An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf den Grundtenor des gesamten Buches hinweisen: Evolutionskritiker (auch Lehrstuhlinhaber) sind keine Wissenschaftler und können als unqualifizierte Personen nicht mitreden. Diese Auffassung erlaubt es Evolutionsbefürwortern, sich notwendiger Kritik zu entziehen. Leider fördern auch die Ausführungen von Prof. Leinfelder diese überhebliche Auffassung und führen dazu, dass Diskussionen zwischen den Parteien im Rahmen des
ontologischen Naturalismus einfach abgelehnt werden.
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Pseudowissenschaften und Dinosaurier
Können Dinosaurier Feuer spucken und was hat das mit Kreationisten zu tun? Der Autor beginnt mit einem absurden Beispiel aus dem Jahre 1995. Das Wissenschaftsmagazin
Bild der Wissenschaft veröffentlichte einen Bericht unter dem Titel "Heisser Atem", in dem berichtet wird, dass Dinosaurier Feuer spucken können. Das geschieht angeblich durch Methangase, die durch den Funkenschlag sich reibender Magensteine entzündet werden können. Später entpuppte sich dieser Artikel als ein Aprilscherz. Im Jahre 2004, also 9 Jahre nach diesem Scherzartikel, veröffentlichte Dr. Zillmer auf seiner Webseite http://www.zillmer.de einen Artikel zu diesem Aprilscherz, in dem er die Möglichkeit aufzeigte, wie sich in einem Dinosaurier brennbare Verdauungsgase bilden können. Dr. Zillmer ist gleichzeitig Autor der Bücher "Darwins Irrtum", "Das Dinosaurierhandbuch" und "Die Evolutionslüge". Zu der Möglichkeit der Bildung brennbarer Gase im Magen eines Dinosauriers schreibt Dr. Zillmer an anderer Stelle:
Dieser Artikel ist nicht Bestandteil von "Darwins Irrtum" oder "Irrtümer der Erdgeschichte", da diese Überlegungen Spekulationen darstellen und es keine zwingenden Beweise gibt".
Den Aprilscherz verwendet der Autor, um die Denkweise von Dr. Zillmer zu erklären. Im weiteren Verlauf beschreibt er ihn als eine fragwürdige Person. Ich habe nicht geprüft, ob diese Beschreibung zutreffend ist. Es ist aber abwegig, Dr. Zillmer und darüber hinaus Kreationisten allgemein anhand eines Aprilscherzes zu analysieren und am Ende zu einer negativen Bewertung zu kommen.
Der Autor nennt ein weiteres Beispiel. Am 25.11.2004 brachte der Fernsehsender SAT 1 eine Sendung
"Dragon`s World: Unglaubliche Entdeckung im Reich der Drachen." Hier wurde mit einem gut animierten Film ähnliches berichtet. Der Film war aber eine reine
Fiktion und entsprach nicht wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Auch an diesem Beispiel verdeutlicht der Autor die Denkweise von Kreationisten. Ich selber halte es aber für einen völlig falschen Erklärungsansatz, wenn diese mit Vorgängen in Verbindung gebracht werden, mit denen sie nichts zu tun haben. Ähnliches haben wir auch bei Prof. Kutschera gesehen. Prof. Leinfelder baut eine
Fiktion auf um zu zeigen, wie
fiktiv die Denkweise von Kreationisten ist.
Insgesamt leidet dieses Kapitel unter pauschalisierenden Aussagen, zu denen nähere Hinweise fehlen. Zu dem Aprilscherz schreibt der Autor z.B.:
Dieser Artikel wurde von Kreationisten gerne zitiert ..."
Mag sein. Nur welche Kreationisten sind hier gemeint? Es fehlen nähere Hinweise.
Der Autor macht aber auch nachdenklich. Er ist u.a. Generaldirektor des "Museum für Naturkunde" in Berlin (Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin). Damit verantwortet er die Darstellung wissenschaftlicher Evolutionsforschung in der Öffentlichkeit. Zeigt er dort auch
Fiktionen? Am Anfang dieses Kapitels beschrieb er, welches Aufgabengebiet ein Paläontologe hat, u.a.
Bestimmung der Fossilarten nach vergleichenden Kriterien. Diese Methode ist eine "augenscheinliche Begutachtung", die Gefahr einer
Fiktionen dürfte da sehr hoch sein.
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Das Buch erschien im Jahr 2007. Es wird auf der Webseite von Herrn Neukamm noch heute als Neuerscheinung deklariert, was nach dieser Zeit aber unzutreffend ist.