Kritik an einer Glosse
W.-E. LÖNNIG: Ein Drama zwischen Posse und Tragödie
Oder: Getroffener Hund bellt. Eine Glosse von Andreas Beyer
Eine Kritik von Karl Willnat
In dem Buch
Kreationismus in Deutschland hat sich Dr.Beyer bereits als
polemischer Kritiker gezeigt. Darum ist es bedauerlich, dass er sich in seiner hier vorliegenden
Glosse noch einmal übertrifft. Im Juli 2007 hat Dr. Beyer eine eigene Vorstellung des Buches
Kreationismus in Deutschland veröffentlicht, dessen Mitautor er selber ist. Darin bemängelt er u.a. Polemiken einiger Mitautoren. Das ist unverständlich, weil er selber äußerst polemisch argumentiert. Noch unverständlicher ist, dass er in seiner
Glosse respektlos Tiefschläge austeilt. Dr. Lönnig als einen Hund zu bezeichnen hat nichts mehr mit wissenschaftlicher Kritik, sachlicher Analyse o.ä. zu tun, sondern ist Ausdruck einer
egopathischen Lebenseinstellung. Für einen Hochschullehrer ist es ungewöhnlich, sich derart öffentlich zu äußern.
Diese
Glosse schrieb der Autor als Antwort auf die
Veröffentlichung von Dr. Lönnig, in der dieser den Vorgang zur Sperrung seiner Internetseiten auf dem Server des MPIZ aus seiner Sicht beschrieben und bewertet hat.
Eine Glosse zu kommentieren ist eigentlich sinnlos. Jeder weiß, dass
Satire und
Polemik ganz natürliche Teile von ihr sind. In bestimmten Fällen ist aber ihre Wirkung als Schutzmantel fragwürdig. Darunter können viele persönlich verletzende Äußerungen gemacht werden, es handelt sich ja um eine Glosse. Darum will ich hier nur etwas allgemeines schreiben und zusätzlich einige Punkte besonders betrachten.
(cherry picking)
Unter diesem Schutzmantel bezeichnet Prof. Dr. Andreas Beyer sein Gegenüber Dr. Lönnig als einen "getroffenen Hund, der bellt". Mir stellt sich die Frage, was den Autor zu solchen Verunglimpfungen verleitet?
- Sind es die gegensätzlichen Auffassungen zur Evolutionstheorie?
- Ist es Verärgerung darüber, das sich Dr. Lönnig nicht vom Autoren über "wahre" Wissenschaft aufklären ließ?
- Ist es Verärgerung darüber, dass Dr. Lönnig die Sperrung seiner Internetseiten aus seiner Sicht bewertete und sich der Auffasungen des Autoren nicht angeschlossen hat?
- oder???
Die Glosse hat eine Länge von ca. 14 Seiten. Sie ist damit sehr opulent ausgefallen. Stilistisch und inhaltlich handelt es sich um eine typische Abhandlung von Dr. Beyer über Evolutionskritiker: Eine Mischung aus wissenschaftlichen Darstellungen und polemischen Abqualifizierungen. Insgesamt wirkt auf mich die Ausführung ermüdent, ist es doch immer wieder der gleiche Inhalt: Kritiker sehen es falsch, der Autor hat immer recht. Dr. Lönnig wird in dieser Glosse genauso abqualifiziert wie in anderen Kritiken auch. Viele grundsätzliche Aussagen wiederholen sich aus anderen Publikationen, z.B. aus dem Buch
Kreationismus in Deutschland.
Einige Punkte sollen hier besonders erwähnt werden.
Dr. Beyer schreibt:
Die Direktoren des Max-Planck-Instituts haben sich herzu wie folgt erklärt:
Wir möchten hiermit unmissverständlich zum Ausdruck bringen, dass das MPIZ nicht der Meinung ist, dass „Intelligent Design“ eine Rolle in der Evolution spielt. „Intelligent Design“ entbehrt jeder nachprüfbaren wissenschaftlichen Grundlage. Einer der vom MPIZ angestellten Wissenschaftler, Dr. Wolf-Ekkehard Lönnig, hat eine private Homepage, auf der er seine persönliche Meinung über „Intelligent Design“ veröffentlicht. Auch auf der offiziellen Instituts-Homepage war seine persönliche Meinung, die als solche gekennzeichnet war, zu finden. Um eine Verwechslung zwischen den persönlichen Meinungen und den For-schungsarbeiten der Wissenschaftler unseres Max-Planck-Instituts zu vermeiden, haben wir alle Links von der Instituts-Homepage auf private Internetseiten sowie alle persönlichen Meinungen geprüft und die von Herrn Dr. Lönnig entfernt (Labor-journal 6/2006, 16).
Erklärend muß hinzugefügt werden, dass die Direktoren des MPIZ anfänglich die Internetseiten auf ihrem Server gar nicht sperren wollten. Das geschah erst, als Prof. Kutschera durch die Presse massiven Druck erzeugte. Die Sperrung erfolgte wider Willen.
(s. auch eigenen Bericht)
Dr. Beyer schreibt:
GIEFFERS ist ein Biologe, der es in jahrzehntelanger Tätigkeit am MPIZ gerade einmal zur Koautorenschaft in zwei wissenschaftlichen Veröffentlichungen plus eine als Senior-Autor gebracht hat – was hat der da die ganze Zeit am MPI gemacht? (regulär retired [= neudeutsch für „in den Ruhestand gegangen“] mit 65).
Hier bekommt der ehemalige Arbeitskollege von Dr. Lönnig auch noch eine Portion ab. Dr. Gieffers erhielt sicherlich kein "Gnadenbrot" vom MPIZ. Wenn sich der Autor wirklich für seine Tätigkeiten interessiert, so könnte er ihn fragen. Das wäre besser als deplatzierte Bemerkungen in das Internet zu stellen.
Dr. Beyer schreibt:
Apropos „teleologische Faktoren“: Lieber Herr LÖNNIG, seien Sie doch mal einfach ganz ehrlich und sagen Sie im Klartext, was das für Faktoren sein sollen: „Teleologie“ heißt „Zielbestimmtheit“ oder „(geplante) Zweckursache“, also Ergebnis einer gezielt geplanten Handlung. Mit anderen Worten: Schöpfungsakte, also Wunder, gewirkt durch JEHOVA. Sehr geehrter Herr LÖNNIG, Sie haben nun fast schon ein halbes Jahrhundert mit Naturwissenschaft zu tun, und es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, wenn Sie immer noch nicht begriffen haben, dass und warum „teleologische Faktoren“ (Klartext: Wunder) in den empirischen Wissenschaften nichts verloren haben. Lieber Herr LÖNNIG, ich will hier ein allerletztes Mal versuchen, Ihnen wenigstens ein paar Dinge in ganz, ganz einfachen Worten zu erklären: [...]
Auch wenn es sich hier um eine Glosse handelt, muß eine ernste Frage gestellt werden. Ist Teleologie = Schöpfungsakt = Wunder? Teleologie ist zunächst ein Plan oder eine Zielvorstellung. Ein Schöpfungsakt führt alle Schritte durch, um die Zielvorstellung zu erreichen. Und dann, oh Wunder, ein Wunder? Dr. Beyer führt gerne handwerkliche Arbeiten durch, das kann man auf seiner privaten Homepage nachlesen. Ist denn alles, was er sich herstellt, ein Wunder? Sind alle Dinge, die wir Menschen geschaffen haben, das Ergebnis eines Wunders? Mit dieser Vorstellung über Wunder klärt er Dr. Lönnig
in ganz, ganz einfachen Worten auf ...??? Eigentlich ist das alles absurd, aber es ist ja nur eine Glosse.
Dr. Beyer schreibt:
ich bin selber Christ und sehe im Urknall den Schöpfungsakt.
Bei diesem Satz wird einiges unverständlich.
- Ein Schöpfungsakt ist gewollt.
- Ein Schöpfungsakt hat mit Teleologie zu tun.
- Ein Schöpfungsakt ist nicht zufällig.
Nun haben wir im vorherigen Punkt gelesen, dass Teleologie
in den empirischen Wissenschaften nichts verloren haben, es sind ja Wunder. Damit dürfte es keinen Urknall gegeben haben, er ist ja als Schöpfungsakt ein Wunder und hätte nichts mit der empirischen Wissenschaft zu tun. Mir erscheint die Gedankenführung von Dr. Beyer etwas undurchsichtig. Aber es handelt sich ja nur um eine Glosse.
Dr. Beyer schreibt:
LÖNNIG und die „Rezensionen“ …
Im zweiten Anschnitt seiner Philippika führt LÖNNIG bisherige Rezensionen unseres Buchs „Kreationismus in Deutschland“ an, natürlich ausschließlich die kritischen, und dabei erfahren seine Leser freilich nicht, dass die von ihm zitierten Personen M. RAMMERSTORFER, R. JUNKER, H. ULLRICH, B. KIRSCH, K. WILLNAT und R. SCHMIDT (1.) aus dem Umfeld des Kreationismus stammen (zumeist propagandistisch aktive Kreationisten sind) und (2.) durch keinerlei Sach- und Fachkenntnis auf dem Gebiet der Evolutionsbiologie ausgewiesen sind.
1.) Mit K.Willnat bin ich gemeint. Dr. Beyer weiß genau, dass ich mich im Internet nur evolutionskritisch äußer. Dabei liegt der Schwerpunkt, jedenfalls z.Zt., bei der AG Evolutionsbiologie und dem anmaßenden Verhalten einiger seiner Mitglieder. Der Hintergrund meiner Auffassung ist dabei unerheblich. Die von mir behandelten Themen könnten von Menschen beliebiger Auffassung geschrieben sein. Nun packt mich der Autor in das von vielen Evolutionsbiologen geschaffene Feindbild "Kreationismus". Durch diese Methode kann man Kritiker sehr einfach abwehren. Man muß nur darauf hinweisen, dass er Kreationist ist. Ich habe in meiner Buchbesprechung
Kreationismus in Deutschland Dr. Beyer deutlich kritisiert, insbesondere wegen seiner vorgetragenen Polemik. Es ist falsch, wenn er dieses nun mit dem Feindbild "Kreationismus" vom Tisch fegt. Ich habe mich in meinen Kritiken auch nicht
an einem ca. 3.000 Jahre alten religiösen Text gehalten, sondern u.a. an dem Buch
Kreationismus in Deutschland.
2.) Es ist nicht nötig, dass Dr. Lönnig über die Auffassungen derer spricht, die das Buch
Kreationismus in Deutschland und auch den Beitrag von Dr. Beyer kritisiert haben. Wir leben in einem Land, in dem jeder kritisieren darf. Das Buch
Kreationismus in Deutschland wird nicht durch Wissen über die Auffassungen der Kritiker besser oder schlechter. Soweit ich es übersehen kann, haben alle o.g. Personen aus einem ehrlichen Anliegen heraus ihre Kritik vorgetragen, das ist ernst zu nehmen.
3.)
... propagandistisch aktive Kreationisten
Eine unmögliche Bezeichnung für unliebsame Kritiker.
4.)
... durch keinerlei Sach- und Fachkenntnis auf dem Gebiet der Evolutionsbiologie ausgewiesen sind.
Die Evolutionstheorie ist ein Teil der Wissenschaft und unterliegt damit allen Naturgesetzen. Somit gelten auch für sie grundlegende Erkenntnisse aus der Physik, Chemie, Informatik u.ä. Unter grundsätzlichen Betrachtungen kann die Evolutionstheorie auch von Wissenschftlern anderer Fächer bewertet werden. Einige Grundlagen können auch von Laien und wissenschaftlich interessierten Personen kritisch betrachtet werden. Mit seiner Aussage klammert der Autor eigentlich nur kritische Personen aus, ein fragwürdiges Anliegen. Betont werden muß, daß in einigen Punkten sowohl Laien als auch qualifizierte Wissenschaftler die Evolutionstheorie kritisieren. Diese Tatsache darf nicht übersehen werden.
Dr. Beyer schreibt:
Aus diesem Grund werde ich mich künftig nicht mehr zum Thema „LÖNNIG“ äußern.
Dr. Beyer sollte dieses Versprechen einlösen.
Dr. Beyer schreibt:
P.S.1: Nur noch einmal fürs Protokoll und konkret für die kreationistischen „Rezensenten“ dieses Textes: Auch wenn die hier vorgebrachten Argumente begründet und stichhaltig sind – das ist kein sachlich-wissenschaftlicher Text. Es ist eine Glosse. Zu LÖNNIGs Ausfällen kann man sich nicht mehr rein sachlich äußern.
Hier betont Dr. Beyer, dass es sich um eine Glosse und nicht um einen
sachlich-wissenschaftlichen Text handelt. Dem muß widersprochen werden. Der Autor behandelt einige wissenschaftliche Fragen. Leider bedient er sich einer unangenehmen Polemik, die nur unter dem Schutzmantel einer Glosse vorgetragen werden kann.
Zusammenfassung
Die Glosse ist umfangreicher als die hier dargestellten Punkte. Es macht aber keinen Sinn, sie noch weiter zu besprechen. Ich persönlich sehe in diesem Text eine entgleisende Polemik, die unter den Schutzmantel einer Glosse gestellt wurde. Dr. Beyer sollte sich wirklich überlegen, ob er in dieser Weise weiter publizieren will. Seiner Vorbildfunktion als Person der Öffentlichkeit und Hochschullehrer wird er so nicht gerecht.
Mit einer eigenen Glosse möchte ich diese Kritik abschließen:
Zum Schluß müßte noch die Frage geklärt werden, über welche wissenschaftliche Qualifikation Prof. Dr. Andreas Beyer selber verfügt, wenn er einen Menschen nicht von einem Hund unterscheiden kann? Mit einem derartigen Mangel an Wissen könnte er als Biologe nicht tätig sein, auch nicht am MPIZ in Köln. Möglicherweise hat er dort aus diesem Grund kein Angebot zur Anstellung erhalten. (s. Zitat in der Buchbesprechung "Kreationismus in Deutschland"). Zu hoffen bleibt, dass er in der Evolutionstheorie nicht ähnliches verwechselt, sonst müßte sie umgeschrieben werden.
Die Glosse von Dr. Beyer findet sich unter diesem Link.
Anmerkung: Diese Kritik beinhaltet auch Elemente einer Glosse.