AG Evolutionsbiologie
Über Postenverteilung in der AG Evolutionsbiologie
Die bisher bekannte AG Evolutionsbiologie ist aufgelöst und wird als offizielle Arbeitsgruppe des VBio neu organisiert. Viele der alten Mitglieder sind auch wieder in der neuen AG zu finden. Was ist zu erwarten?
Die alte AG Evolutionsbiologie war in keiner Weise gesetzlich verankert, also eine reine Arbeitsgemeinschaft. Die Zielsetzung war, dem Kreationismus in Deutschland zu begegnen. Wissenschftliche Beweise für die Evolutionstheorie sollten zeigen, daß es keinen Schöpfer für unser Leben gibt, sondern alles nur durch Zufall, Mutation und Selektion entstanden ist. Besetzt war die AG mit Wissenschaftlern wie Prof. Kutschera, Prof. T. Junker, Prof. Andreas Beyer u.a. Doch wie verleiht sich eine einfache AG in einer schon lange hitzigen Debatte zwischen Evolutionskritikern und Evolutionsbiologen Gehör? Wie kann man ein gewichtiges Wort mitreden? Ganz einfach, man verteilt Titel:
- Prof. Kutschera nannte sich "1. Vorsitzender"
- Prof. Junker bekam den Titel "stellv. Vorstitzender"
- Dipl.-Ing. (FH) Martin Neukamm wurde zum "Geschäftsführer" berufen. Ein Geschäftführer ist die Rechtsvertretung für ein Unternehmen oder eine Organisation.
Solche Titel kennt man aus größeren Industrieunternehmen wie z.B. GmbHs oder Aktiengesellschaften. Sind sie aber für eine einfache Arbeitsgemeinschaft angemessen? Wohl kaum. Derart "opulente" Titel zeigen, daß in der AG Evolutionsbiologie mit viel "heißer Luft" gearbeitet wurde. Aus einem Interview mit dem ehemaligen Geschäftsführer Martin Neukamm geht dessen Verantwortungsbereich hervor:
Meine Aufgabe erstreckt sich hauptsächlich auf die Pflege unserer Homepage, die Sichtung und Präsentation neuer Artikel zur evolutionären Forschung und Evolutionskontroverse sowie auf die Kritik antievolutionistischer Argumentation. Hierzu bin ich natürlich auf den ständigen Austausch von Information angewiesen. Eines meiner wichtigsten Ziele ist daher, den Diskurs innerhalb der Arbeitsgemeinschaft zu fördern, Organisationen und Einzelpersonen mit ähnlichen Zielsetzungen für die Mitarbeit zu gewinnen und die Mitglieder in der AG anzuregen, sich aktiv an der Abwehr ideologisch motivierter Kritik an der Evolutionstheorie zu beteiligen.
Das sind aber grundsätzlich Aufgaben für Sachbearbeiter. Warum derartige Tätigkeiten mit dem Titel "Geschäftsführer" versehen wurden, ist unverständlich.
Die Vorsitzenden haben die Aufgabe, die grundsätzliche Zielrichtung vorzugeben, der Geschäftsführer muß das unter Berücksichtigung der Gesetzeslage umsetzen. Nun war Herr Neukamm mit Homepage, Förderung eines Diskurses und Evolutionsverteidigung beschäftigt. Braucht es dafür eine derartige Vereinsstruktur? Insgesamt gesehen hat sich die AG Evolutionsbiologie als ein aufgeblähtes Gebilde präsentiert. Das Ergebnis der Arbeit war entsprechend. Über das Niveau einer "Spottgemeinschaft mit wissenschaftlichem Anspruch" ist man nicht hinausgekommen.
Der VBio hat seine "Pferdchen" an die Zügel genommen und gibt ihnen eine neue Marschrichtung vor. Auf seiner
Webseite findet sich folgende Erklärung:
Im Oktober 2002 wurde auf der Jahrestagung des Verbands Deutscher Biologen (vdbiol) in Potsdam die "Arbeitsgemeinschaft (AG) Evolutionsbiologie im vdbiol" gegründet, die sich schwerpunktmäßig mit der Widerlegung der Argumente der deutschen Kreationisten befasst hat.
Im Rahmen des neu entstandenen VBIO wurde eine organisatorische und thematische Neuordnung der Arbeitsgemeinschaft notwendig.
Seit November 2009 widmet sich der neu gegründete Arbeitskreis (AK) Evolutionsbiologie u.a. den folgenden Aufgaben:
* Bereitstellung von Sachinformationen zur chemischen und biologischen Evolution
* Hinweise auf anerkannte Lehrbücher von Fachwissenschaftlern
* Verbreitung ausgewählter Pressemitteilungen und Fachartikel
* Adressen-Liste der Evolutionsbiologen im VBIO
* Linklisten zum Thema Evolution der Organismen
Der Arbeitskreis Evolutionsbiologie im VBIO stellt sich derzeit neu auf. Mitglieder im VBIO, die sich beruflich mit dem Thema Evolution beschäftigen, sind eingeladen, dem Arbeitskreis beizutreten und ihre Ideen einzubringen.
Sprecherkreis:
Prof. Dr. Ulrich Kutschera, Universität Kassel/Stanford, USA (Tel.: 0561-804-4467), e-mail: kut@uni-kassel.de
Prof. Dr. Thomas Junker, Universität Tübingen (Tel.:069-96121-741),e-mail: Thomas.Junker@uni-tuebingen.de
Prof. Dr. Uwe Hossfeld, Universität Jena
Prof. Dr. Volker Wissemann, Universität Gießen
Die neue Evolutionsbiologen-Seite befindet sich im Aufbau.
Da sind sie wieder, die ehemaligen Vorsitzenden. Der VBio spricht von
Sprecherkreis. Schaut man sich die im Aufbau befindliche
Webseite an, so spricht man hier von
Vorstand. Irgendwie scheinen die ehemaligen Herren Vorsitzenden eine verbale Abwertung ihrer verantwortungsvollen Position nicht hinzunehmen.
Noch wichtiger ist die inhaltliche Ausrichtung der neuen AG. Schafft sie es, mehr als nur eine "Spottgemeinschaft" zu werden? Der VBio hat die Aufgabe bestimmt:
Bereitstellung von Sachinformationen... Die Herren Vorstände jedoch machen weiter wie bisher.
Sachinformationen? Sicher nicht. Es scheint, als ob sich zwischen der alten und neuen AG nicht viel ändern wird, außer daß einige ehemalige Mitglieder ihren alten Posten verloren haben.
Mir ist bekannt, daß Prof. Kutschera in der alten AG Evolutionsbiologie die Titel ausgesucht hat. Nach Schließung dieser AG hätte der Geschäftsführer ordnungsgemäß abberufen werden müssen. Nach meiner Kenntnis ist das nicht geschehen. Es war auch nicht nötig, denn dieser Posten war nur ein heißer Luftballon ohne Rechtsverantwortung.
Der neue Präsident des VBio, Prof. Dr. Diethard Tautz, ist ebenfalls Mitglied in der verbandseigenen AG Evolutionsbiologie und somit Teil der polemisch vorgetragenen Abwehr von Kreationismus und Evolutionskritik. Haben Wissenschaftler nichts besseres zu tun, als gegen Evolutionskritiker derart ins Feld zu ziehen? Worin besteht für sie eine Gefahr? Was bekämpfen sie so vehement? An dieser Stelle soll es deutlich betont werden: Die treibende Kraft hinter der z.T. unerträglichen AG Evolutionsbiologie dürfte der VBio als Interessenvertretung der Biologen in Deutschland stehen, ein Machtfaktor mit für Wissenschaftler unwürdigen Methoden. Die Verantwortung dafür trägt Prof. Dr. Diethard Tautz.
Autor:
Karl Willnat
Datum: 12.Jan 2010